Frontzahntrauma

Als Frontzahntrauma oder Frontzahnverletzung wird die Verletzung der Frontzähne und der benachbarten Strukturen durch Gewalteinwirkung bezeichnet. Frontzähne sind Schneidezähne und Eckzähne. Beim Frontzahntrauma sind fast ausschließlich die oberen Schneidezähne betroffen und nur sehr selten die Eckzähne oder die unteren Schneidezähne. Ursächlich für ein solches mechanisches Trauma sind meist Schlag, Stoß oder Fall.
Traumatische Zahnverletzungen (sogenannte Zahnunfälle) betreffen fast ausschließlich die Frontzähne. Frakturen an Zähnen im Prämolaren- und Molarenbereich durch äußere Gewalteinwirkung sind sehr selten. Es muss sich dabei schon um einen äußerst starken Faustschlag oder Tritt handeln.
Die Frontzahntraumen werden in Zahnstauchungen, Zahnluxationen und Zahnfrakturen unterteilt, letztere nochmals in Kronenfrakturen und Wurzelfrakturen.
Als Vorbeugung gegen ein Frontzahntrauma wird bei einigen Sportarten ein Mundschutz getragen.

Bei Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen ist seit Jahren ein deutlicher Anstieg von Frontzahntraumen zu verzeichnen. Ungefähr die Hälfte der Kinder erleidet Zahntraumen, bevor sie die Schule verlassen. In absehbarer Zukunft werden Zahntraumen die Anzahl von Zahnkaries und Parodontalerkrankungen übertreffen und zur wichtigsten Gefahr für die Zahngesundheit werden.
Die Verletzungen der bleibenden Zähne stellen bei Kindern mit einer Prävalenz von 22 % eine große Gefahr für die Zahngesundheit dar, die in Zukunft in ihrem Ausmaß Schäden etwa durch Karies und Parodontalerkrankungen noch übertreffen werden.
Ungefähr 30 % der acht- bis zwölfjährigen Kinder haben ein Frontzahntrauma der bleibenden Schneidezähne erlitten. Besonders die Schneidezähne des Oberkiefers sind wegen ihrer exponierten Stellung am häufigsten betroffen. Frontzahntraumen betreffen zu 90 % den Oberkiefer und nur zu 10 % die Unterkiefer-Frontzähne.
Die häufigsten Ursachen sind Fall, Sturz, Rohheitsdelikte (Faustschlag), Verkehrsunfälle, Haushaltsunfälle und andere (z. B. Huftritte). Bei den Stürzen sind Fahrradunfälle sehr häufig. Oft sind auch Spiel- und Sportverletzungen (z. B. beim Fußball mit einem anderen Spieler zusammengestoßen) für Frontzahntraumen ursächlich, wobei besonders moderne schnelle Sportarten wie Mountainbiking, Rollerblading, Skateboarding, Snowboarding zunehmend bei Frontzahntraumen vertreten sind. Typisch und sehr häufig sind auch Frontzahntraumen beim Eishockey. Beim Schwimmen werden die Frontzähne oft durch Stürze am Beckenrand geschädigt. In Australien ist das Surfen die häufigste Ursache für die Zahnintrusion. Eine Zeit lang mit dem Aufkommen der Modewelle der Alu-Tretroller waren diese eine häufige Unfallursache.
Der Häufigkeitsgipfel der traumatischen Zahnverletzungen der Milchzähne liegt im Alter von 18 bis 40 Monaten, da das Kleinkind in diesem Alter das Laufen erlernt und sehr mobil wird, andererseits jedoch noch sehr unvorsichtig ist und sich sehr unkoordiniert bewegt. Traumen der Milchzähne haben ihre Ursachen meist in Stürzen oder Zusammenstößen, während das Kind das Gehen und Rennen erlernt.
Ursächlich für Frontzahntraumen im Milchgebiss sind meist Stürze beim Spielen (an der Schaukel oder an der Rutschbahn gefallen), Treppenstürze oder auch einfach nur der unsichere Gang des Kleinkindes, beispielsweise über ein Hindernis gestolpert und dabei die Hände in der Hosentasche gehalten.
Bei der Luxation liegt eine Verschiebung oder ein Verlust des Zahnes vor, der Zahn ist teilweise oder vollständig aus der Alveole (Zahnfach) herausgelöst. Gleichzeitig ist der Zahnhalteapparat verletzt.
Eine Totalluxation ist das vollständige Fehlen des Zahnes in der Alveole, der Zahn wurde durch das Trauma vollständig aus der Alveole (Zahnfach) ausgeschlagen, diese ist leer. Diese Art des Zahnverluste wird auch als vollständige oder komplette Luxation, als Exartikulation oder als Avulsion (Avulsio = gewaltsames Ausreißen) bezeichnet.
Bei der Subluxation, auch als teilweise Luxation, unvollständige Luxation oder inkomplette Luxation bezeichnet, ist es zu einer traumatisch bedingten abnormen Stellungsänderung eines Zahnes gekommen. Diese geht mit einer deutlichen Beweglichkeit des Zahnes (Zahnlockerung) einher, die das normale Maß der Zahnbeweglichkeit weit übersteigt. Der Zahn steht jedoch noch an seiner normalen Position in der Zahnreihe.
Bei der lateralen Luxation ist der Zahn seitlich (meist nach vestibulär oder palatinal/lingual) verschoben.
Die Subluxation (unvollständige Luxation) und die laterale Luxation (vollständige Luxation) werden auch zur peripheren Luxation zusammengefasst und der zentralen Luxation gegenübergestellt.
Bei der zentralen Luxation, auch als Intrusion oder Impression bezeichnet, handelt es sich um ein Verschieben des Zahnes in den Kiefer, in die Alveole hinein. Der Zahn sieht kürzer als normal aus. Oft ist er sehr tief in die Alveole hineingedrückt. Eventuell ist er fast vollständig in die Alveole geschlagen worden und nicht mehr sichtbar. Der Knochen der Alveole ist dabei zwangsläufig durch die Zahnwurzel des in den Kiefer geschlagenen Zahnes komprimiert und frakturiert worden.
Bei einer Extrusion ragt der Zahn aus dem Zahnfach heraus. Er sieht länger als normal aus, ist stark beweglich und wird nur noch teilweise durch Wurzelfasern in der Alveole gehalten. Da beim Trauma keine direkten Zugkräfte am Zahn ansetzten, wie beispielsweise bei einer Zahnextraktion, ist die Verlängerung (Elongation) des Zahnes durch eine vorherige kurzzeitige laterale Luxation zu erklären, wobei durch einige noch erhalten gebliebene Fasern des Zahnhalteapparates (Sharpey-Fasern) der Zahn vor der Totalluxation bewahrt wurde.
Außer bei der zentralen Luxation (Intrusion) liegt bei einer Zahnluxation immer auch eine Lockerung des Zahnes vor. Diese gewaltsame Lockerung eines Zahnes geht immer mit einer vollständigen oder partiellen Zerreißung der Sharpey-Fasern (Haltefasern der Zahnwurzel) einher.
Eine Zahnstauchung (Kontussion/Prellung, engl. dental concussion) ist eine starke Erschütterung des Zahnes, die mit einer Verletzung des Zahnhalteapparates (Quetschung des Desmodonts/Wurzelhaut), einem parodontalen Ödem und möglicherweise auch mit einem Pulpaschaden einhergeht. Meist liegt bei einer Zahnstauchung jedoch nur eine geringgradige Verletzung vor. Bei der Zahnstauchung ist der Zahn nicht gelockert, jedoch vorübergehend mehr oder weniger klopfschmerzhaft und Aufbissschmerzen können ausgelöst werden. Auch wenn keine Luxation (Lockerung) des Zahnes vorliegt und dieser in seiner korrekten anatomischen Position verblieben ist, kann dieser kurzzeitig einen Millimeter in seine Alveole gestaucht worden sein, was zur Schädigung des Zahnhalteapparates führen kann. Bei einer Zahnkontusion zeigt sich im Röntgenbild ein unauffälliger oder erweiterter Parodontalspalt, da eine Verletzung des Periodonts vorliegt.
Das Hauptproblem bei der Kontusion ist, dass sie anfangs, für einige Tage bis Wochen, zu einer negativen Vitalitätsreaktion führen kann. Also ist eine negative Sensibilitätsprüfung unmittelbar nach dem Unfall und auch in den ersten Wochen danach kein sicheres Zeichen für eine devitale Pulpa. Bei einer negativen Vitalitätsprobe muss diese daher regelmäßig, meist wöchentlich, wiederholt werden, da ein Zahn nach einer Stauchung gelegentlich nur vorübergehend negativ auf die Vitalitätsprobe reagiert und noch die Aussicht auf eine Besserung besteht. Auch bei positiver Vitalitätsprobe empfiehlt sich eine regelmäßige Vitalitätskontrolle in den ersten Wochen und Monaten.
Wegen einer möglichen später auftretenden Pulpennekrose sind langfristige Verlaufskontrollen angeraten, dazu gehört eine regelmäßige Sensibilitätskontrolle über mindestens ein Jahr und bei noch nicht abgeschlossenem Wurzelwachstum (im Wechselgebiss) die Überwachung der Wurzelentwicklung mit Röntgenaufnahmen (Zahnfilm). Die Eltern sind über mögliche Spätzeichen einer Pulpennekrose aufzuklären:
Solange der Zahn nicht mit Sicherheit devital ist, ist bei der Zahnkontusion keine dringende Therapie erforderlich. Anfangs ist lediglich eine Schonung zu empfehlen, weshalb der Patient nur weiche Kost zu sich nehmen sollte. Bei stärkerem Aufbissschmerz muss der Zahn eventuell eingeschliffen werden (aus der Okklusion nehmen), so dass er beim normalen Zubeißen nicht mehr belastet wird.
Selbst eine hinzutretende Zahnverfärbung ist noch kein sicheres Zeichen für eine devitale Pulpa, da es sich auch um Einblutungen in der vitalen Pulpa handeln kann. Auch eine Aufbissempfindlichkeit des Zahnes kann noch als normale Schmerzreaktion auf eine Kontusion gewertet werden und ist nicht zwingend ein Zeichen für eine devitale Pulpa.
Besonders bei Zähnen mit noch nicht abgeschlossenem Wurzelwachstum, bei denen wegen des breiten offenen Foramen apicale sehr wahrscheinlich keine exakte Wurzelfüllung bis zur Wurzelspitze gemacht werden kann, ist ein Zuwarten über mehrere Wochen ratsam. Erst wenn zunehmende Aufbissempfindlichkeit und ein zunehmender Klopfschmerz am Zahn auftritt und die Verlaufskontrolle der Vitalitätsprobe weiterhin negativ ausfällt, kann sich der behandelnde Zahnarzt sicher sein, dass der Zahn devital ist und eine Wurzelbehandlung erfolgen muss.
Eine Wurzelbehandlung ist bei offenem Foramen apical recht problematisch. Da bereits bei der Aufbereitung des Wurzelkanales ein deutlicher Stopp im Bereich des Foramens fehlt, kann der Wurzelkanal sehr leicht überinstrumentiert werden. Wegen des fehlenden Stopps (fehlende apikale Konstriktion) besteht die Gefahr einer Überfüllung der Wurzel während der Wurzelfüllung. Ohne diesen Stopp, der wegen des inkompletten Wurzelwachstums noch nicht ausgebildet ist, fehlt eine Kontrolle bei der Abfüllung des Wurzelkanals.
Die Wurzelfüllung soll bei normalem, abgeschlossenem Wurzelwachstum bis zur engsten Stelle an der Wurzelspitze reichen, dem physiologischen Foramen, das ca. 1-2 mm höher liegt als das eigentlich anatomische Foramen. Bei nicht abgeschlossenem Wurzelwachstum ist die Wundfläche am Foramen, die Kontakt zur Wurzelfüllung hat, um eine Größenordnung größer. Oft wird durch monatelange Einlagen von Calciumhydroxyd, die wöchentlich gewechselt werden, die Wurzelfüllung zeitlich herausgezögert, in der Hoffnung, dass sich in dieser Zeit die Wurzelspitze schließt bzw. durch nachwachsenden Knochen verschlossen wird. Die Wurzelfüllung, deren Technik normalerweise darauf beruht, den Guttaperchaverschluss bis zum mechanischen Stopp vorzuschieben, ist ebenfalls sehr problematisch. Als letzter Ausweg bei einer misslungenen Wurzelfüllung (zu kurz oder zu lang) steht noch eine nachträgliche Wurzelkappung zur Verfügung, falls erneut Beschwerden am Zahn auftreten sollten.
Umstritten ist, ob bei alleiniger Zahnverfärbung (Graufärbung) nach einem Frontzahntrauma, aber ohne weitere Symptomatik, eine Wurzelkanalbehandlung angezeigt ist. Oft ist in diesen Fällen nicht genau bekannt, ob und wann ein Trauma aufgetreten ist. Verfärbte Milchzähne ohne weitere Beschwerden (keine vestibuläre Schwellung oder Fistel) können belassen werden und müssen nicht trepaniert werden. Oft sind die Kinder noch zu klein und uneinsichtig, um eine Wurzelbehandlung mit der nötigen Ruhe über sich ergehen zu lassen. Später dann sind die Milchfrontzähne kurz vor dem Zahnwechsel und bei einer Wurzelbehandlung bestünde die Gefahr der Schädigung des nachfolgenden permanenten Zahnes.
Auch schwerere Frontzahntraumen, wie Kronenfrakturen oder Wurzelfrakturen (siehe unten im Abschnitt Zahnfrakturen), sind von einer Zahnkontusion begleitet. Insbesondere Schmelz-Dentin-Frakturen ohne Pulpaeröffnung brauchen normalerweise keine Wurzelbehandlung. Wegen der begleitenden Zahnkontusion kann die Vitalitätsprobe jedoch auch hierbei negativ ausfallen, mit allen damit verbundenen Problemen der Vitalitätsbeurteilung – wie oben beschrieben.
Ein teilweise luxierter Zahn wird digital reponiert (in die Alveole zurückgeschoben) und mittels Schienenverband fixiert.
Ein vollständig luxierter Zahn kann eventuell reimplantiert werden.
Bei Milchzähnen ist jedoch nach einer Totalluxation keine Replantation angezeigt, da einerseits eine mögliche Infektion den nachfolgenden permanenten Zahn schädigen kann, andererseits jedoch ihr Verlust nicht so schwer wiegt.
Trotz des dramatischen Erscheinungsbildes darf ein intrudierter Zahn nicht manipuliert werden. Die größte Erfolgsaussicht hat ein Zuwarten auf die Spontaneruption, die bei Milchzähnen und bei permanenten Zähnen mit noch nicht abgeschlossenem Wurzelwachstum meist eintritt. Der intrudierte Zahn ist meist fest in der Aleole verkeilt. Nur wenn eine Lockerung besteht, ist er zu schienen. Der Versuch einer Extrusion sollte erst nach mehreren Wochen erfolglosen Zuwartens erfolgen.
Durch eine Schienung soll ein gelockerter Zahn in seiner anatomisch korrekten Position fixiert werden, um die Heilung zu ermöglichen. Durch die Schienung wird der Zahn auch stabilisiert und so der Bewegungsschmerz bei der Nahrungsaufnahme und bei der Mundhygiene reduziert. Bei einem replantierten Zahn ermöglicht erst die Schienung, dass er in der Alveole verbleibt. Für die Schienung eines luxierten Zahnes gibt es verschiedene Möglichkeiten,:
Je nach Autor, Art der Schiene und Lockerungsgrad der Zähne soll die Schiene für 1-2 oder bei ausgedehnten Verletzungen von Weichgewebe und Knochen 6-8 Wochen im Mund verbleiben. Gleichzeitig ist die Vitalität des gelockerten Zahnes regelmäßig zu überprüfen.
Wegen der durch die Schmerzen und die Schiene eingeschränkten Mundhygiene empfiehlt sich in dieser Zeit eine Mundspülung mit Chlorhexidin. Diese antiseptische Spülung, die mehrmals täglich erfolgen sollte, kann für ein bis zwei Wochen die Mundhygiene sehr effektiv verbessern.
Die für die Kieferbruchschienung verwendeten Drahtschienen (für die Intermaxilläre Verschnürung) sind im Milchgebiss praktisch unmöglich zu befestigen, da die Milchzähne einen tief liegenden Zahnäquator haben. Folglich befindet sich der Kontaktpunkt dicht am Zahnhals und die Ligaturdrähte zur Befestigung eines Schienenverbandes können nur mit erheblicher Beschädigung der Gingiva unter dem Kontaktpunkt durchgefädelt werden. Auch finden die Drahtligaturen an den konischen Zahnkronen keinen Halt. Diese aus der Kieferbruchbehandlung übernommenen, auf Drahtligaturen basierenden Schienen, sollten zur Fixierung von luxierten Zähnen nicht mehr verwendet werden, stattdessen sind die oben beschriebenen Drahtbogen-Kunststoffschiene das Verfahren der Wahl bei Zahnluxationen. Bei den Drahtligatur-Schienen handelt sich um die Drahtbogen-Kunststoffschiene nach Schuchardt und um fortlaufende Achterligaturen:
Die Knochenfragmente einer begrenzten Alveolarfortsatzfraktur, die fest an der Zahnwurzel haften, lassen sich eventuell auch mittels einer Zahnschiene ausreichend fixieren, so dass bei ausreichender Immobilisation kein kieferchirurgischer Eingriff am Knochen notwendig wird.
Als Problem wurde eine zu starre Fixierung des verletzten Zahnes erkannt, da dann die Gefahr einer dentoalveolären Ankylose oder einer progredienten pathologischen externen Wurzelresorption (Ersatzresorption) besteht. Auch während der Schienung sollte die physiologische Mobilität des traumatisierten Zahnes und der Nachbarzähen erhalten bleiben. Die Drahtbogen-Kunststoffschiene nach Schuchardt war ursprünglich zur Schienung von Kieferbrüchen gedacht. Nach einem Grundprinzip der Knochenbruchbehandlung sollten dazu die Fragmente starr fixiert werden, um eine absolute Immobilisation und somit eine primäre Knochenheilung zu erreichen. Luxierte Zähne, bei denen auch immer die Fasern des Zahnhalteapparates mitgerissen sind, können jedoch bei einer starren Schienung knöchern in der Alveole einheilen, was nicht gewünscht ist. Weitere Ausführungen zum Problem der dentoalveolären Ankylose sind im Abschnitt Zahnrettungsbox zu finden.
Ein ausgeschlagener Zahn muss unbedingt wiedergefunden werden. Er sollte dann nur an der Zahnkrone angefasst werden. Auf gar keinen Fall sollte die Zahnwurzel berührt werden. Auch wenn der Zahn verschmutzt ist, darf er nicht vom Laien gereinigt werden. Er muss möglichst feucht gelagert werden. Am besten ist eine spezielle Zahnrettungsbox. Notfalls kann der Zahn in kalter H-Milch, steriler Kochsalzlösung oder im Mund der Eltern (oder des Kindes) feucht aufbewahrt werden.
Die Zahnrettungsbox wird in Apotheken angeboten. Es ist ein Schraubverschluss-Behälter mit einem Zellnährmedium. In der Aufbewahrungslösung der Zahnrettungsbox kann der Zahn bei Zimmertemperatur bis zu 24 Stunden aufbewahrt werden. Beim Einlegen des Zahnes in die Zahnrettungsbox darf der Zahn nur an der Zahnkrone angefasst werden, damit die Wurzelhaut nicht noch zusätzlich geschädigt wird.
Die Wurzelhaut darf nicht austrocknen, wenn der Zahn funktionsgerecht wiedereinheilen soll. Bei abgestorbener Wurzelhaut kann der Zahn nur noch knöchern einheilen (Ankylos). So ein ankylosierter Zahn wird im Laufe der nächsten Jahre im Rahmen des ständig stattfindenden Knochenumbaus von den Osteoklasten des Knochens resorbiert und durch normalen Knochen ersetzt. Im Röntgenbild lässt sich dann oft noch nach Jahren die Andeutung eines Wurzelumrisses im Knochen erkennen – ähnlich einem versteinerten Baum, bei dem eigentlich nur der Stein die Form des Baumrestes angenommen hat. Letztlich fallen solche Zähne bald aus, da die Wurzel vollständig vom Knochen resorbiert wird.
Auch bei stark verschmutzten ausgeschlagenen Zähnen, die wiedergefunden werden, muss ein Abspülen der am Zahn haftenden Schmutzpartikel unter Leitungswasser (oder in anderem Wasser) unterbleiben, da dieses nicht die gleiche Salzkonzentration wie isotonische Kochsalzlösung hat und die Zellen der Wurzelhaut durch das osmotische Gefälle zusätzlich geschädigt werden können.
Die weitere Prognose des ausgeschlagenen Zahnes nach der Replantation hängt davon ab, wie viel Zeit zwischen dem Ausschlagen und dem Einlegen in die Zahnrettungsbox vergangen ist. Empfohlen wird vom Hersteller der Zahnrettungsbox eine maximale Zeitspanne von 30 Minuten. Andere Quellen geben an, dass an einem ausgeschlagenen Zahn nach zwei Stunden alle Zellen der Wurzelhaut abgestorben sind.
Die Aufbewahrungsflüssigkeit in der Zahnrettungsbox hat eine antiinfektiöse Wirkung. Der Zahn soll deshalb mindestens 30 Minuten in der Zahnrettungsbox verbleiben, damit die Aufbewahrungslösung ihre volle antiinfektiöse Wirkung besser entfalten kann, soll die Box regelmäßig leicht geschwenkt werden, um so zu gewährleisten, dass neue unverbrauchte Flüssigkeit den Zahn umspült.
Hauptartikel: Zahnfraktur
Bei den Zahnfrakturen unterscheidet man je nach Lokalisation zwischen Kronenfraktur (an der klinischen Krone des Zahnes) und Wurzelfraktur (an der Zahnwurzel). Nach dem Verlauf der Frakturlinien wird zwischen Quer-, Längs- und Schrägfraktur unterschieden.
Frakturen der Zahnkrone werden unterteilt in
Zahnschmelz-Frakturen an Schneidezähnen können sehr gut mit einer Komposit-Füllung (Kunststofffüllung, Adhäsivtechnik) versorgt werden. Bei sehr kleinen Zahnschmelz-Frakturen ist oft keine Füllung erforderlich, es reicht dann ein mehr oder weniger leichtes Verschleifen und Abrunden der scharfen Bruchränder, auch zur ästhetischen Korrektur. Schließlich nutzt sich die Schneidkante im Laufe weniger Jahre auch auf natürlichem Wege beim Kauen leicht ab.
Bei Dentin-Frakturen ohne Pulpaeröffnung (ohne Pulpabeteiligung) wird eine Komposit-Füllung gelegt oder die Zahnform mittels einer Zahnkrone wiederhergestellt. Das freigelegte Dentin ist gelblicher, als der Zahnschmelz und schmerzsensibel. Es sollte mit einer Füllung abgedeckt werden, da es sich infizieren kann. Bei größeren Dentinfrakturen, die schon dicht an die Pulpa reichen, ist vor der Füllungs- oder Kronentherapie eine indirekte Überkappung der Pulpa erforderlich (meist mit Calciumhydroxid).
Bei Dentin-Frakturen mit Pulpaeröffnung (mit Pulpabeteiligung) gibt es je nach der seit der Zahnfraktur verstrichenen Zeit, je nach Schweregrad und weiteren Umständen (Entwicklungsalter des Zahnes; ist das Foramen apikale – die Wurzelspitze – noch offen – bei jüngeren Kindern oder ist es bereits geschlossen?) verschiedene Behandlungsmöglichkeiten:
Nach der Versorgung der Pulpawunde kann dann eine Versorgung der frakturierten Krone mittels Füllung oder Zahnkrone erfolgen.
Reine Zahnschmelz-Frakturen sind immer ohne Pulpabeteiligung (Pulpaeröffnung), da die Pulpa nur im Dentin liegt und vollständig von diesem umschlossen ist.
Kronenfraktur mit gut erkennbarer Pulpaeröffnung an Zahn 11. 16-jähriger Patient,
Röntgenbild (Zahnfilm) des frakturierten Zahnes
Messaufnahme – während der Wurzelbehandlung eines frakturierten Frontzahnes (11)
Röntgenkontrollaufnahme der fertigen Wurzelfüllung
frakturierte Krone – die fertige Wurzelfüllung ist erkennbar
die frakturierte Krone wurde mit einer Kompositfüllung rekonstruiert (ohne Wurzelstift)
Bei unkomplizierten Kronenfrakturen (also ohne Eröffnung oder Schädigung der Pulpa und ohne Zahnlockerung) besteht die Möglichkeit das abgebrochene Zahnfragment wiederzubefestigen. Voraussetzung ist, dass das abgebrochene Fragment des traumatisierten Zahnes noch vorhanden ist. Diese Technik im Sinne der minimalinvasiven Zahnmedizin bietet oft einen Vorteil gegenüber der ästhetischen Restauration von Zahnfrakturen mit Kompositen, wo die Farbwahl und Farbabstimmung nicht immer optimale Ergebnisse bringt. Auch haben Kompositrestaurationen den Nachteil einer geringeren Abrasionsresistenz im Vergleich zu Zahnschmelz.
Das Wiederbefestigen des Zahnfragmentes mittels Adhäsivtechnik, auch Reattachement-Restauration genannt (Reattachement wird hier englisch ausgesprochen), ist ein zeitsparendes und sehr ästhetisches Wiederherstellungsverfahren.
Die Refixation des Fragmentes erfolgt am besten mittels Nano-Hybridkomposit (wegen der geringeren Polymerisationsschrumpfung als konventionelle Komposits), nach Konditionierung mittels Bonding. Die Bruchfestigkeit wird verbessert, wenn vor der Refixation an der Frakturlinie des Zahnes eine Anschrägung präpariert wird. Durch das Anschrägen wird auch der C-Faktor (das Verhältnis von gebundener und freier Oberfläche) positiv beeinflusst. Einschränkend anzumerken ist, dass ästhetische Restaurationen von Zahnfrakturen, die ausschließlich aus Kompositen gefertigt werden (also ohne das Zahnfragment) einen sehr hohen C-Faktor haben, weswegen sie oft sehr lange halten.
Abgebrochene Zahnfragmente, die vor der Refixation längere Zeit trocken gelagert wurden verändern wegen der Dehydration ihre Farbe. Das ist jedoch nicht weiter problematisch, da diese ästhetische Beeinträchtigung nach dem Wiederbefestigen bald von alleine verschwindet. Multiple, nicht reponierbare oder fehlende Bruchstücke lassen jedoch keine Reattachement-Restauration zu, so dass dem Zahnarzt nur die Möglichkeit einer konventionellen Kompositrestauration oder Keramikrestauration bleibt.
Ausschlaggebend für die Unterteilung und Therapie der Wurzelfrakturen ist deren Lage im oberen, mittleren oder unteren Wurzeldrittel.
Bei Frakturen im oberen Wurzeldrittel kann die Zahnkrone nicht erhalten werden, sie muss extrahiert werden. Zur Erhaltung des Zahnes ist eine Wurzelkanalbehandlung und danach eine prothetische Versorgung mit einer Zahnkrone erforderlich. Die Verankerung der Krone muss mittels Wurzelstift erfolgen (Stiftkrone). Ein Aufbau der klinischen Krone mit Komposit (Kunststofffüllung) ist nur möglich, wenn die Fraktur unmittelbar in Höhe des Zahnhalses erfolgt ist. Dabei ist dann ein Stiftaufbau erforderlich.
Bei Frakturen im mittleren Wurzeldrittel ist eine Erhaltung des Zahnes nicht möglich – der Zahn muss extrahiert werden. Mit einer Ausheilung der Fraktur in der Wurzel ist nicht zu rechnen, andererseits kann nach der Entfernung der oberen Wurzelhälfte und der Krone keine prothetische Versorgung mittels Stiftkrone erfolgen, da dies technisch unmöglich ist. Auch der Versuch den Zahn durch operative Entfernung des apikalen Wurzelfragmentes zu erhalten ist ohne Erfolgsaussichten, da das koronale Zahnfragment keine ausreichende Verankerung im Knochen hat.
Bei Frakturen im unteren Wurzeldrittel wird das apikalen Wurzelfragment (die Wurzelspitze) mittels Wurzelspitzenresektion entfernt. Bei fortgeschrittener Parodontalerkrankung (Parodontitis) mit fortgeschrittenem Knochenabbau besteht jedoch auch hierbei die Gefahr, dass der Zahn nicht mehr ausreichend fest im Knochen gehalten wird, besonders bei Wurzelfrakturen im oberen Teil des unteren Wurzeldrittels.
Bei Längsfrakturen der Zahnwurzel ist als Therapie nur eine Extraktion möglich. Diese Zähne weisen zwar oft noch eine anscheinend ausreichende Stabilität auf, auch lassen sie sich mittels Wurzelbehandlung schmerzfrei bekommen, jedoch ist der Längsspalt, der eine Verbindung zwischen Mundhöhle und Zahnhalteapparat schafft, eine Quelle für ständige Infektionen, die letztlich zu Zahnbeschwerden und Zahnverlust führen. Längsfrakturen der Wurzel treten nur sehr selten beim Frontzahntrauma auf. Sie sind vielmehr eine relativ häufige Komplikation an wurzelbehandelten Zähnen, an Zähnen mit Stiftaufbauten und an Zähnen mit großen Amalgamfüllungen. Die Längsfraktur der Krone setzt sich dann als Längsfraktur in der Wurzel fort, wobei sie nur wenige Millimeter unter das Zahnfleisch oder bis zur Wurzelspitze reichen kann.
Bei subgingivaler Lage der Wurzelfraktur in Höhe des Zahnhalses ist keine ausreichende Trockenlegung für eine Kompositfüllung möglich. Die frakturierte Zahnwurzel kann eventuell verlängert werden:
Die Begleitverletzungen werden nicht mehr zum eigentlichen Frontzahntrauen gezählt.
Häufige intraorale Begleitverletzungen des Fronzahntraumas sind Verletzungen der Mundschleimhaut, Zerreißungen (Rissquetschwunde/Platzwunde/Vulnus lacero-contusum) der marginalen Gingiva (Zahnfleisch am Zahnhals), besonders bei Luxationen. Die damit verbundenen Blutungen sind meist nicht dramatisch, da in dieser Region keine größeren Gefäße verlaufen. Bis der Patient beim Zahnarzt vorgestellt wird sind sie meist spontan zum Stillstand gekommen und der Zahnarzt erkennt die zurückliegende Blutung nur noch anhand der blutverschmutzten Kleidung.
Bei Gewalteinwirkungen auf die Oberlippe, deren Kraft dann auf die oberen Schneidezähne weitergeleitet wird, kann es auch zu Riss- oder Quetschwunden auf der Innenseite der Oberlippe (labiale Mukosa/Lippen-Schleimhaut) oder im Vestibulum kommen. Diese können von meist leichten Blutergüssen (Hämatom) und oft starken Schwellungen (Ödem) begleitet sein, wobei die massiven Schwellungen der Lippe meist sehr schnell, innerhalb von ein bis zwei Tagen, abklingt.
Eine seltene und deshalb leicht zu übersehene Komplikation ist das Einsprengen von kleineren Zahnkronenfragmenten in die Risswunde an der Innenseite der Ober- oder Unterlippe. Dem meist verängstigten, psychisch traumatisierten, weinenden Kind wird gerne die eingehende und schmerzhafte Untersuchung der ohnehin schon schmerzenden Lippenwunde erspart, so dass solche Fragmente leicht übersehen werden können. Hinzu kommt regelmäßig der psychologische Druck der begleitenden Eltern, die ihrem Kind weitere Schmerzen ersparen wollen und eine natürliche elterliche Schutzposition einnehmen. Notfalls muss die eingehende Untersuchung der Lippenwunde für ein bis zwei Tage aufgeschoben werden, wenn sich Eltern und Kind wieder beruhigt haben, die Lippe etwas abgeschwollen ist und das Abtasten der Lippe und Sondieren der Wunde nicht mehr ganz so schmerzhaft ist. Ein in der Lippenwunde übersehendes Zahnfragment kann reizlos in der Wunde einheilen, fibrös eingekapselt werden und jahrelang beschwerdefrei bleiben. Es kann dann als Zufallsbefund wegen einer knorpelharten Verhärtung in der Lippe entdeckt werden. Auf einem Röntgenbild (Zahnfilm) von der Lippe kann das Zahnfragment dann erkannt werden und mit einem minimalen operativen Eingriff aus der Lippe entfernt werden.
Extraorale Weichteilverletzungen bei Frontzahntraumen betreffen vor allem das Kinn, die äußere Lippe (Lippenrot) und die Nase. Meist handelt es sich um Schürfwunden. Diese sind wegen der Infektionsgefahr, aber auch wegen der Gefahr einer Schmutztätowierung gründlich zu reinigen und zu desinfizieren. Bei sehr scharfkantiger oder sehr starker Gewalteinwirkung (beispielsweise Huftritt) können auch schwere Verletzungen der äußeren Weichteile vorliegen (beispielsweise: Spaltung/Zerreißung des Lippenrots).
Besonders bei begleitenden extraoralen Wunden ist an ein Tetanus-Immunisierung zu denken. Sollte keine Tetanusimmunisierung vorliegen, so ist eine passive und aktive Impfung dagegen umgehend in die Wege zu leiten – Tetanus-Simultanimpfung.
Der Zahnarzt muss unbedingt eine Kieferfraktur (Oberkieferfraktur, Unterkieferfraktur) ausschließen. Dazu untersucht er orientierend, ob die Okklusion durch eine dislozierte (verschobene) Fraktur gestört ist. Er rüttelt an den Zähnen des Oberkiefers, um sich grob davon zu überzeugen, dass dieser nicht wegen einer Fraktur mobil oder schmerzempfindlich ist.
Zur orientierenden Untersuchung zum Ausschluss einer Kieferfraktur, wird anamnestisch erfragt, ob der Patient beim Zubeißen im Seitenzahnbereich Schmerzen hat – um den Aufbissschmerz im Frontzahnbereich auszuschalten kann der Patient dazu zwecks Bisserhöhung auf eine Watterolle beißen. Sollten sich dabei keine Anhaltspunkte für eine Unterkieferfraktur ergeben, kann zur Orientierung durch Druck auf den Unterkiefer auf provozierten Schmerz an einem möglichen Bruchspalt untersucht werden. Durch mäßigen seitlichen Druck auf den rechten und linken Unterkieferbereich wird versucht, den starren Zahnbogen zu komprimieren, was bei einer fehlenden Unterkieferfraktur keinerlei Schmerz auslöst und auch eine nicht dislozierte Fraktur des Unterkieferkörpers (Corpus mandibulae) ausschließt.
Besonders bei Unterkieferfraktur in Höhe des Gelenkhalses (nahe dem Kiefergelenk) oder am Kiefergelenksköpfchen (Caput mandibulae) besteht die Gefahr, dass die Wachstumszone des Unterkiefers an der Epiphyse (Epiphysenfuge) des Gelenkköpfchens betroffen ist und das Unterkieferwachstum abgebrochen wird, woraus ein sogenanntes Vogelgesicht resultiert, was den Betroffenen als Erwachsenen stark entstellt. Zur orientierenden Untersuchung auf solch eine Fraktur des Gelenkfortsatzes (Processus condylaris) ist mehrmals Druck auf das Kinn auszuüben. Der Mund muss dabei geöffnet sein, so dass er nicht durch die Verzahnung mit dem Oberkiefer fixiert wird. Der Druck muss in Richtung Zungen, in Richtung eines Kinnhakens erfolgen. Die auf dem Kinn des Patienten liegende hand des Untersuchers muss erst nur ganz leichte und dann etwas stärkere „Stöße“ auszuführen. Bei Vorliegen einer Fraktur am aufsteigenden Kieferast wird so ein Schmerz ausgelöst. Abschließend sollte noch die Bewegung des Kiefergelenkköpfchens am Kiefergelenk palpiert (abgetastet) werden. Dazu steckt der Zahnarzt je einen Finger in den äußeren Gehörgang des Patienten (Zeigefinger oder besser Kleinfinger) und lässt den Patienten den Mund mehrmals weit öffnen und schließen. Dabei ist die Bewegung des Unterkiefer-Gelenkköpfchens an der Vorderseite des äußeren Gehörgangs zu ertasten. Alternativ oder zusätzlich kann die Bewegung des Kiefergelenks auch unmittelbar vor dem Gehörgang, unmittelbar vor dem Tragus, ertastet werden. Auch hier ist nach Schmerzen zu fragen und auf Druckschmerz zu prüfen. Bei fehlendem Provokationsschmerz kann diese Fraktur ausgeschlossen werden. In Zweifelsfällen ist immer ein Spezialist (Kieferchirurg) hinzuzuziehen. Eine Fraktur des Gelenkhalses darf auf keinen Fall vom behandelnden Zahnarzt übersehen werden.
Bei Verdacht auf eine Kieferfraktur sind Röntgenaufnahmen zur weiteren Diagnostik (Orthopantomogramm) anzufertigen und ein Kieferchirurg hinzuzuziehen, der denn bei Bedarf Röntgenaufnahmen in weiteren Projektionen (Oberkiefer-Übersichtsaufnahme, Computertomographie) anfertigen lässt.
Weitere Begleitverletzungen im Mund-, Kiefer- und Gesichtsbereich können sein:
Über ein Frontzahntrauma hinaus, kann ein Schädel-Hirn-Trauma (SHT) bestehen. Besonders, wenn der Zahnarzt der Erstbehandler bei frischen Traumen ist und der Patient nach dem Trauma keinem Arzt vorgestellt wurde, muss der Zahnarzt auch immer an ein mögliches Schädel-Hirn-Trauma denken. Die Diagnostik eines möglichen Schädel-Hirn-Traumas gehört nicht in den Fachbereich eines Zahnarztes. Trotzdem sollte des Zahnarzt den traumatisierten Patienten auch orientierend auf Anzeichen dafür befragen und untersuchen: War der Patient kurzzeitig bewusstlos nach dem Trauma? Liegt eine retrograde Amnesie vor? Hat er nach dem Trauma erbrochen? Sind die Pupillenreflexe auf Licht normal? Liegt eine Anisokorie vor? Ist die Augenbewegung gestört? Bestehen Doppelbilder? Bestehen Kopfschmerzen? Gibt es Anzeichen für eine Schleudertrauma (die normale Beweglichkeit des Halses vorführen lassen)? Gibt es Prellungen oder kleinere Wunden am Schädel (den Schädel orientierend abtasten)? Besteht ein Schwindelgefühl? Bestehen Hör- oder Sehstörungen?
Wenn jedoch kein Anhalt oder Verdacht für ein Schädel-Hirn-Trauma vorliegt, so ist auch keine Überweisung an einen Arzt erforderlich. Beim geringsten Verdacht, z. B. wegen der Schwere des beschriebenen Unfallhergangs, ist im Zweifelsfall immer eine Überweisung an einen Arzt angebracht.
Sehr wichtig ist für den behandelnden Zahnarzt eine gute Dokumentation der Unfalldaten (Wie?, Wann? Wo?, genauer Unfallort, Unfallzeit, beschriebener Unfallhergang, erstversorgender Notarzt/Arzt/Zahnarzt), Schäden (Risse in der Gingiva, Blutungen, genaue Lokalisation und Größe der Frakturfragmente, Zahnlockerungsgrad, Zahnverlagerungen, begleitende Schürfwunden und Risswunden, Knochenabbau durch Parodontalerkrankungen, Karies als Nebenbefund), der Diagnostik (Vitalitätstest) und der Therapie.
Unfälle und Zahnverletzungen auf dem Schulweg und in der Schule (Schulunfall) sind (in Deutschland) außerhalb der gesetzlichen Krankenkassen über die Gesetzliche Unfallversicherung versichert: Berufsgenossenschaft, Gemeindeunfallversicherungsverband (Unfallkasse). Diese übernehmen die Behandlungskosten und verschicken an den behandelnden Zahnarzt oft noch nach Wochen ausführliche Fragebögen. Bei diesen Unfallmeldungen wird von den Kostenträgern regelmäßig nach detaillierten Angaben zu Unfallhergang, Ort, Zeit usw. gefragt. Auch kann es im Rahmen von Unfällen gehäuft zu Schadensersatzklagen des Unfallopfers kommen.
Trotz ärztlicher Schweigepflicht besteht eine Auskunftspflicht gegenüber diesen Leistungsträgern. Nach §201 SGB VII „Datenerhebung und Datenverarbeitung durch Ärzte“ ist der Versicherte von den Ärzten über die Erhebungszwecke und über die Auskunftspflicht der Ärzte zu unterrichten. Auch für den Leistungsberechtigten (der Patient) besteht nach §§ 60 ff SGB I eine Mitwirkungspflicht.
Diese Kostenträger sind oft auch verpflichtet noch nach vielen Jahren die Kosten für Folgeschäden zu übernehmen und bemühen sich um eine genaue Abgrenzung der eigentlichen Unfallschäden von bereits vorher bestehenden Schäden oder späteren Erkrankungen, sie wollen deshalb eine vollständige und sorgfältige Dokumentation vom behandelnden Zahnarzt, der besonders bei solchen Frontzahntraumen die gesetzliche Dokumentationspflicht sehr ernst nehmen muss. Zahnunfälle sind vom Patienten und vom Zahnarzt der Versicherung zu melden.
Im angelsächsischen Raum werden die Frakturen der Zahnkrone in Ellis-Klassen eingeteilt. Diese Klassifikation unterscheidet Ellis I – III:
Die physiologische Durchbruchszeit der zentralen Schneidezähne liegt im Zeitraum siebentes/achtes Lebensjahr. Nach der Dentitionstabelle von Schour und Massler (1941) ist im Alter von 3 Jahren (plus/minus 6 Monate) das Wurzelwachstum der Milch-Dreier im Oberkiefer noch nicht abgeschlossen. Jedoch ist am Milch-Einser und -Zweier (Milchschneidezähne) das Foramen apicale bereits geschlossen. Die Wurzeln der Milch-Einser und -Zweier sind mit drei Jahren noch vollständig erhalten. Die Kronen der mittleren und seitlichen bleibenden Schneidezähne befinden sich auf Höhe der Wurzelspitzen der Milchschneidezähne. Mit 4 Jahren (plus/minus 9 Monate) beginnt die Resorption der Wurzel der Milch-Einser. Die Kronen der permanenten Einser und Zweier sind bereits voll mineralisiert und vom Oberkieferknochen eingeschlossen. Mit 5 Jahren (plus/minus 9 Monate) sind die Wurzeln von Milch-Einser und Milch-Zweier ungefähr zu einem Drittel resorbiert. Mit 6 Jahren (plus/minus 9 Monate) ist sind die Wurzeln von Milch-Einser und Milch-Zweier etwa die Hälfte resorbiert, während am Milch-Dreier noch keine Wurzelresorption begonnen hat. Mit 7 Jahren (plus/minus 9 Monate) ist der permanente Einser teilweise durchgebrochen und seine Wurzel zur Hälfte ausgebildet. Der bleibende Zweier, dessen Wurzel zu 30 % ausgebildet ist, steht kurz vor dem Durchbruch. Mit 8 Jahren (plus/minus 9 Monate) ist der bleibende Zweier teilweise durchgebrochen und seine Wurzel zu 50 % ausgebildet. Mit 9 Jahren (plus/minus 9 Monate) sind die Wurzeln der bleibenden Einser und Zweier (mittleren und seitlichen bleibenden Inzisivi) zu zwei Drittel ausgebildet. Mit 10 Jahren sind die Wurzeln der bleibenden Einser und Zweier zu 95 % ausgebildet, ihr Foramen apicale ist immer noch nicht verschlossen. Mit 11 Jahren ist das Foramen apicale an den bleibenden Einsern und Zweiern des Oberkiefers abgeschlossen.
Die Milchzahn-Schneidezähne des Oberkiefers brechen mit 8 bis 10 Monaten (Einser) bzw. mit 10 bis 14 Monaten (Zweier) durch.
Die Milch-Einser brechen mit 6 bis 10 Monaten durch, die Milch-Zweier mit 10 bis 14 Monaten, wobei die Zähne des Unterkiefers in der Regel etwas früher durchbrechen, als die des Oberkiefers. Die Durchbruchszeiten der bleibenden Zähne unterliegen größeren individuellen Schwankungen als die der Milchzähne. Oftmals treten Abweichungenvon plus/minus drei Jahren von der normalen Durchbruchszeit auf.
Ein Frontzahntrauma an den bleibenden (permanenten) Zähnen tritt meist bei Jugendlichen auf. Das Durchbruchsalter der oberen bleibenden Schneidezähne im Oberkiefer liegt bei:
Wegen der häufigen Abweichung des chronologischen Alters vom biologischen Alter besteht bei den Durchbruchszeiten eine Schwankungsbreite von plus/minus 9 Monaten.

Im Brautkleid meiner Schwester

Im Brautkleid meiner Schwester ist ein deutscher Fernsehfilm aus dem Jahr 2012. Die am 14. Februar 2012 auf Sat.1 zum ersten Mal ausgestrahlte Filmkomödie wurde von 3,44 Millionen Zuschauer gesehen, was einem Marktanteil von 13,8 Prozent entsprach.

Nach dem Tod der Frau, die sie für ihre Mutter hält, macht sich die 30-jährige Hamburger Polizistin Sina auf die Suche nach ihrem Vater. Vom kriminellen Ex-Freund ihrer Mutter, den sie für ihren Vater hält, erfährt sie schließlich bei deren ersten Begegnung, dass die Frau, die sie aufgezogen hat, sie mit zwei Tagen von ihren leiblichen Eltern entführt hat und dass sie eine eineiige Zwillingsschwester namens Sophie hat. Sina fährt nach Berlin, wo Sophie als Modedesignerin arbeitet und die leiblichen Eltern leben. Die beiden Schwestern verstehen sich blendend. Sophie steht kurz vor der Hochzeit mit dem netten David Müller. Dieser war Fußballprofi und arbeitet jetzt im Management eines Fußballclubs. Da Sophie allerdings noch eine kurze Reise zu ihrem Ex-Freund Xavier nach Paris unternimmt, von der sie wider Erwarten nicht rechtzeitig zurückkehrt, springt Sina für sie ein, um die Hochzeit zu retten. In Paris bedrängt der Regisseur und notorische Schürzenjäger Xavier Sophie, ihm eine zweite Chance zu geben. Er macht Sophie sogar einen Heiratsantrag. Nachdem sie sich weigert, betäubt er sie mit K.-o.-Tropfen und entführt sie in ihr gemeinsames ehemaliges Liebesnest. Dort wird sie nach einiger Zeit schwach und schläft mit ihm. Sophie sagt ihm, dass er ihre große Liebe war, sie aber seine Eskapaden nicht mehr tolerieren konnte. Währenddessen spielt Sina Sophie in Berlin. David wundert sich zunächst, dass Sophie sich verändert hat – während seine Verlobte bis jetzt eine eher schüchterne elegante Frau aus der Oberschicht war, flucht sie jetzt, fährt Auto wie der Teufel und trinkt Bier aus der Flasche. David, dem kürzlich Zweifel an der Hochzeit gekommen waren, gefällt diese neue Seite. Und auch Sina entwickelt Gefühle für ihn. Auf dem Dach des Olympiastadions stehend gesteht er ihr, dass er durch ihre Herkunft oftmals eingeschüchtert war. Während des Polterabends hilft ihr die beste Freundin Sophies, die als einzige in das Geheimnis eingeweiht ist, mit den Namen der Gäste. Nach einer alkoholreichen Feier schläft Sina mit ihrem zukünftigen Schwager. Als Sophie dann auch nicht pünktlich zur standesamtlichen Hochzeit kommt, heiratet Sina als Sophie David. Bei der Hochzeitsfeier kommt der Schwindel heraus, da Sina es nicht ertragen kann, mitanzusehen, wie der Ex-Freund ihrer Mutter, der um ihre Identität weiß, mit seinem Catering-Service die Familie bestiehlt, und David verlässt die Feier tief verletzt. Die gemeinsame Mutter bricht wegen des „plötzlichen Auftauchens ihrer Marie“ (ursprünglicher Name des Babies) und dem entstandenen Chaos zusammen und muss ins Krankenhaus. Dort entschuldigt sich Sina bei der Familie. Danach sucht sie David in dessen türkischen Stammlokal auf, um ihm beschämt den Ehering zurückzugeben. Dieser macht ihr daraufhin einen Heiratsantrag. In der Schlussszene gibt es eine Hochzeitszeremonie zwischen David und Sina auf dem Dach des Olympiastadions. Die Familie der Zwillingsschwestern, Sophie und Xavier sind ebenfalls anwesend.
„Eine Verwechslungskomödie der besonderen Art, die sich in erster Linie an ein sehr leichtgläubiges Publikum richtet.“
„Regisseur Florian Froschmayer […] begibt sich hier auf die Spuren der Screwball-Komödien Hollywoods und inszenierte einen witzigen, recht unterhaltsamen Verwechslungs-Spaß nach dem Buch von Aglef Püschel […]. Der hatte zuvor für Hauptdarstellerin Alissa Jung, die hier in einer Doppelrolle zu sehen ist, schon zahlreiche Folgen der SAT.1-Telenovela „Schmetterlinge im Bauch“ geschrieben.“
„In seinem Komödiendebüt überspielt der Schweizer Krimispezi Florian Froschmayer (‚Tatort: Borowski‘) die Untiefen des Storykonstrukts durch Tempo und nette Optik. David Rott (‚Der Mann mit dem Fagott‘) hat charmante Szenen, und Alissa Jung zeigt in ihrer Doppelrolle, dass sie Prosecco nippen und Bier kippen kann.“
„Bis zum Happyend allerdings verschenkte der Film das eigentlich üppige Potenzial des Themas. Vor allem deshalb, weil er sich nicht entscheiden konnte, ob er lieber Romanze oder lieber Komödie sein wollte, und beides kaum miteinander verband. […] Die komischen Elemente schöpfte der Film erst recht nicht aus, auch wenn sich David Rott und Pasquale Aleardi Mühe gaben, ihre klischeehaft angelegten Figuren mit Leben zu füllen und sich dafür einige Lacher verdienten.“

Fechtweltmeisterschaften 1969

Die 22. Fechtweltmeisterschaft fand 1969 in Havanna statt. Es wurden acht Wettbewerbe ausgetragen, sechs für Herren und zwei für Damen.

Paris 1921 | Ostende/Paris 1922 | Den Haag 1923 | Ostende 1925 | Ostende/Budapest 1926 | Vichy 1927 | Neapel 1929 | Lüttich 1930 | Wien 1931 | Kopenhagen 1932 | Budapest 1933 | Warschau 1934 | Lausanne 1935 | San Remo 1936
Paris 1937 | Piešťany 1938 | Lissabon 1947 | Den Haag 1948 | Kairo 1949 | Monte Carlo 1950 | Stockholm 1951 | Kopenhagen 1952 | Brüssel 1953 | Luxemburg 1954 | Rom 1955 | London 1956 | Paris 1957 | Philadelphia 1958 | Budapest 1959 | Turin 1961 | Buenos Aires 1962 | Danzig 1963 | Paris 1965 | Moskau 1966 | Montreal 1967 | Havanna 1969 | Ankara 1970 | Wien 1971 | Göteborg 1973 | Grenoble 1974 | Budapest 1975 | Buenos Aires 1977 | Hamburg 1978 | Melbourne 1979 | Clermont-Ferrand 1981 | Rom 1982 | Wien 1983 | Barcelona 1985 | Sofia 1986 | Lausanne 1987 | Orléans 1988 | Denver 1989 | Lyon 1990 | Budapest 1991 | Havanna 1992 | Essen 1993 | Athen 1994 | Den Haag 1995 | Kapstadt 1997 | La Chaux-de-Fonds 1998 | Seoul 1999 | Budapest 2000 | Nîmes 2001 | Lissabon 2002 | Havanna 2003 | New York 2004 | Leipzig 2005 | Turin 2006 | St. Petersburg 2007 | Peking 2008 | Antalya 2009 | Paris 2010 | Catania 2011 | Kiew 2012 | Budapest 2013 | Kasan 2014 | Moskau 2015 | Rio de Janeiro 2016 | Leipzig 2017

John Dankworth

Sir John Phillip William Dankworth, CBE (auch Johnny Dankworth; * 20. September 1927 in Woodford, Essex; † 6. Februar 2010 in London) war ein britischer Jazz-Saxophonist (Alt), Klarinettist, Bigband-Leader und Komponist.

Dankworth stammt aus einer Musikerfamilie und lernte Klavier und Violine. Nachdem er Aufnahmen von Benny Goodman hörte, wechselte er mit 16 zur Klarinette. Zum Altsaxophon kam er, als er Johnny Hodges hörte.
Nach dem Studium an der Royal Academy of Music in London und der Militärzeit begann er professionell zu spielen. Zunächst arbeitete er als Schiffsmusiker, bevor er Mitglied der Bands von Tito Burns und dann von Ted Heath wurde. Seine ersten Plattenaufnahmen machte er am 13. September 1944 als Mitglied der Band Freddie Mirfield and his Garbage Men (vier Titel, darunter der Good Old Wagon Blues). Am 9. April 1949 wird er erstmals mit seiner eigenen Band, dem Johnny Dankworth Quartet, live aufgenommen. Im selben Jahr wurde er vom Melody Maker zum „Musiker des Jahres“ gewählt und spielte in Paris beim dortigen Jazzfestival mit Charlie Parker, wonach sich eine Schweden-Tournee mit Sidney Bechet anschloss.
1950 gründete er die erfolgreichen „Dankworth Seven“, die bis 1953 bestanden, aber später immer wieder zusammenkamen. In ihr spielten Bill Le Sage (Klavier), Eric Dawson (Bass), Tony Kinsey (Schlagzeug), Jimmy Deuchar (Trompete), Eddie Harvey (Posaune), Don Rendell (Tenorsaxophon) und er selbst am Altsaxophon. Erste Aufnahmen vom 18. Mai 1950 waren Lightly Politely / Strike Up The Band / Marmaduke / Little Benny. Anfang 1953 wechselte die Band zu Parlophone, wo sie seit ihrer ersten Single Honeysuckle Rose am 10. Februar 1953 von George Martin produziert wurde. Es bedurfte jedoch einer Vielzahl von Produktionen, bis am 10. Mai 1956 der Titel Experiments With Mice entstand, der mit einer ersten Hitparadennotiz – einem Rang sieben – belohnt wurde. Im Jahre 1953 gründete Dankworth eine eigene Bigband, die auch auf dem Newport Jazz Festival 1959 spielte, im Birdland in New York und mehrfach in Großbritannien als Begleitband von Duke Ellington. Dankworth blieb mit Ellington befreundet, nahm auch dessen Arrangements und Titel mit seiner Bigband auf und spielte nach dem Tod Ellingtons mit der Ghostband unter Leitung von Mercer Ellington.
Die Sängerin Cleo Laine, die Dankworth 1958 heiratete, sang regelmäßig seit November 1951 mit der Band und den Folgegruppen ihres Mannes und auch schon mit den Dankworth Seven. Ebenfalls ab Ende der 1950er Jahre begann Dankworth zu komponieren. Gemeinsam mit Mátyás Seiber schrieb er 1959 die Third-Stream-Komposition Improvisations für Jazzband und Orchester. Ab Mai 1959 nannte er seine Band Johnny Dankworth Orchestra.
Vor allem komponierte er aber für Film und Fernsehen. Am bekanntesten ist die Erkennungsmelodie für „Mit Schirm, Charme und Melone“ („The Avengers“), die 1961 zum ersten Mal ausgestrahlt wurden. Im selben Jahr hatte er einen Hit mit „African Waltz“ von Galt MacDermot. 1964 nahm er mit dem befreundeten Clark Terry (und Bob Brookmeyer, Zoot Sims, Phil Woods, Lucky Thompson) „The Zodiac Variations“ auf. Seine in ihrer ausgeweiteten Harmonik nach Martin Kunzler den Arbeiten von Gil Evans vergleichbaren Arrangements und seine ausgedehnten Werke wie die Jazz-Oper Sweeney Agonistes leben von Raffinessen hinsichtlich Klangfarben, sind mitunter aber recht komplex gestaltet.
Zu den Mitgliedern seiner Bigband ab den 1960er Jahren zählten zeitweise Tony Coe, Mike Gibbs, Peter King, Dudley Moore, John Taylor und Kenny Wheeler sowie gelegentlich Dave Holland, John McLaughlin, Tubby Hayes, Dick Morrissey und Stan Sulzmann. Dankworth begleitete mit seiner Band Nat King Cole, Sarah Vaughan, Gerry Mulligan auf Tour und bei einzelnen Konzerten Lionel Hampton und Ella Fitzgerald. Weitere Musiker mit denen er gearbeitet hat, sind George Shearing, Toots Thielemans, Benny Goodman, Herbie Hancock, Tadd Dameron, Slam Stewart und Oscar Peterson.
Im Jahr 2006 wurde Dankworth durch Königin Elisabeth II. als erster britischer Jazzmusiker als Knight Bachelor zum Ritter geschlagen, nachdem er zuvor bereits als Commander of the Order of the British Empire (CBE) ausgezeichnet worden war. Seine Frau war 1997 als Dame Commander of the Order of the British Empire (DBE) geadelt worden. Dankworth war mit seiner Frau eine prominente Figur in der britischen Jazzszene und der Ehrenpräsident des National Jazz Center. 1984 bis 1986 war er auch Professor am Gresham College in London, wo er auch (freie) öffentliche Vorlesungen gab. In seinem Landsitz „The Stables“ mit angeschlossenem Kultur- und Theaterzentrum organisierte er über lange Jahre regelmäßig Sommerschulen. Dem Liverpool Institute for Performing Arts war er als Patron verbunden.
Seine Schwester ist die Musikpädagogin und Autorin Avril Dankworth (1922–2013). Seine beiden Kinder sind ebenfalls Jazzmusiker – Jacqui Dankworth (* 1963) ist Sängerin, Alec Dankworth (* 1960) ist Bassist, der auch in der Band seines Vaters spielte.

Bezirklicher Ordnungsdienst Hamburg

Der Bezirkliche Ordnungsdienst (BOD) wurde im März 2006 auf Bezirksebene der Freien und Hansestadt Hamburg eingerichtet und hatte die Aufgabe, im öffentlichen Raum für mehr Sauberkeit, Sicherheit und Ordnung zu sorgen. Er wurde mit Wirkung zum 31. Dezember 2014 aufgelöst.

Vorläufer war der im Jahre 2003 eingerichtete damalige „Städtische Ordnungsdienst“ (SOD), der zentral auf Landesebene angesiedelt war. Im März 2006 wurde der Städtische Ordnungsdienst (SOD) dezentralisiert und auf die sieben Hamburger Bezirke als Bezirklicher Ordnungsdienst neu etabliert. „Der BOD arbeitet in einem Zeitrahmen von 7:00 Uhr bis 23:00 Uhr in zwei Schichten (in Mitte und Altona) die anderen Bezirke arbeiten im ein Schichtsystem….Unabhängig von dieser Regelung steht der BOD jederzeit nach Bedarf zur Verfügung (auf freiwilliger Basis der Mitarbeiter und sofern der Personalrat dem zugestimmt hat), um so gezielt Hinweisen aus der Bevölkerung schnell und wirksam nachkommen zu können“. Die Bezirklichen Ordnungsdienste sind mit Wirkung zum 31. Dezember 2013 aufgelöst worden. Lediglich der Hundekontrolldienst nimmt seit dem 1. Januar 2014 als eigenständige Einheit die Aufgaben in seiner Zuständigkeit war.
Aufgabe des Bezirklichen Ordnungsdienst (BOD) war es, im öffentlichen Raum für mehr Sauberkeit, Sicherheit und Ordnung zu sorgen. Dafür waren die Mitarbeiter des Bezirklichen Ordnungsdienstes (BOD) nach §6 (1) des Verwaltungsvollstreckungsgesetz (VwVG) zu Vollziehungsbeamten des jeweiligen Bezirkes bestellt. In dieser Eigenschaft verfolgten die Mitarbeiter des Bezirklichen Ordnungsdienstes Ordnungswidrigkeiten im öffentlichen Raum. Sie waren zur Personalienfeststellung, Durchsuchung und Gewahrsamnahmen von Personen sowie zur Sicherstellung von Gegenständen und Aussprechen von Platzverweisen berechtigt. Gesetzliche Grundlage dafür war das Hamburger Gesetz zum Schutz der öffentlichen Sicherheit und Ordnung (SOG), das Verwaltungsvollstreckungsgesetz (VwVG) sowie das Gesetz über Ordnungswidrigkeiten in Verbindung mit der Strafprozessordnung. Die Aufgaben des BOD waren im Einzelnen die Feststellungen von Verstößen gegen:
Die Mitarbeiter des BOD waren an ihrer einheitlichen Dienstkleidung zur erkennen, welche weitestgehend der aktuellen Hamburger Polizeiuniform entsprach. Abweichungen gab es nur bei der Kopfbedeckung (weiße runde Schirmmütze anstelle dunkelblauer achteckiger Schirmmütze oder Basecap) und den Hosen (Bezirk Mitte: schwarze Lederhosen – restliche Bezirke: dunkelblaue Cargohosen, welche im Gegensatz zur Polizei keinen weißen Streifen aufwiesen). Zudem stand den Mitarbeitern ein abweichender Winterparka zur Verfügung. Die Diensthemden, -blusen und -jacken waren dabei deutlich mit den Schriftzügen „BOD“ oder „Bezirklicher Ordnungsdienst“ sowie dem Hamburger Stadtwappen gekennzeichnet.

Wilhelm Lanz

Wilhelm Lanz (* 4. Juni 1829 in Oberlahnstein; † 7. Mai 1882 in Neesbach) war von 1868 bis 1882 Erster Bürgermeister von Wiesbaden.

Lanz war Sohn des Medizinalrats Dr. med. Johann Lanz (1800–1848) und seiner Frau Johannette, geb. Henn. Er besuchte von 1843 bis 1847 das Gymnasium Philippinum in Weilburg, studierte 1847–1851 Rechtswissenschaften an der Universität Heidelberg, wo er seit 1849 zusammen mit seinem späteren Amtsnachfolger als Erster Bürgermeister von Wiesbaden Christian Schlichter Mitglied der Corps Nassovia Heidelberg und 1849 Stifter des heute noch bestehenden Corps Rhenania Heidelberg war. 1854 trat er in nassauischen Justizdienst. Nach Tätigkeiten als Militärauditeur und Regierungsassessor wurde er 1868 zum Ersten Bürgermeister von Wiesbaden ernannt. Lanz starb auf dem Weg zur Beerdigung eines Verwandten an einem Gehirnschlag. Er wurde auf dem Alten Friedhof Wiesbaden beigesetzt.
Nach Lanz wurde eine Wiesbadener Straße benannt.▼50.09550548.2357678
Lanz (2. v.r.) als Heidelberger Rhenane, Ausschnitt aus einer Lithographie von Carl Schubart
Grabstein von Wilhelm Lanz auf dem Alten Friedhof in Wiesbaden
Heinrich Fischer (1849–1868) | Wilhelm Lanz (1868–1882) | Christian Schlichter (1882–1883) | Carl Bernhard von Ibell (1883–1913) | Karl Glässing (1913–1919) | Fritz Travers (1919–1929) | Georg Krücke (1930–1933) | Alfred Schulte (1933–1937) | Erich Mix (1937–1945) | Georg Krücke (1945–1946) | Hans Heinrich Redlhammer (1946–1953) | Erich Mix (1954–1960) | Georg Buch (1960–1968) | Rudi Schmitt (1968–1980) | Georg-Berndt Oschatz (1980–1982) | Hans-Joachim Jentsch (1982–1985) | Achim Exner (1985–1997) | Hildebrand Diehl (1997–2007) | Helmut Müller (2007–2013) | Sven Gerich (seit 1. Juli 2013)

David Hazzard

David Hazzard (* 18. Mai 1781 in Milton, Delaware; † 8. Juli 1864 ebenda) war ein US-amerikanischer Politiker und von 1830 bis 1833 Gouverneur des Bundesstaates Delaware.

David Hazzards Schulbildung war eher bescheiden, aber er hat sich mit Hilfe eines Eigenstudiums selbst das Nötigste beigebracht. Im Jahr 1807 wurde er Mitglied der Miliz von Delaware. Dort stieg er bis zum Jahr 1812 bis zum Hauptmann auf. Zwischen 1812 und 1817 war er Friedensrichter im Sussex County. In den Jahren 1823 und 1826 bewarb er sich jeweils erfolglos um das Amt des Gouverneurs seines Staates. Am 6. Oktober 1829 schaffte er es dann im dritten Anlauf doch noch, in das höchste Amt seines Staates gewählt zu werden. Damals war er Mitglied der National Republican Party, die sich aus Teilen der früheren Demokratisch-Republikanischen Partei gebildet hatte, welcher Hazzard auch angehört hatte. Später sollte die Partei in den Whigs aufgehen.
David Hazzard trat sein neues Amt am 19. Januar 1830 an. Das Hauptereignis seiner dreijährigen Amtszeit war eine 1831 verabschiedete Verfassungsreform. Nach der neuen Verfassung wurden die Amtszeiten der Gouverneure von drei auf vier Jahre verlängert. Eine direkte Wiederwahl war ausgeschlossen. Auch die Staatssenatoren bekamen eine vierjährige Amtszeit, während die Abgeordneten des Repräsentantenhauses von Delaware zweijährige Amtszeiten erhielten. Bis dahin lief deren Legislaturperiode nur ein Jahr lang. Der allgemeine Wahltermin wurde von Oktober auf November verlegt. Neben der Verfassungsreform wurde die Infrastruktur des Staates ausgebaut. Es entstanden neue Straßen und Brücken sowie die New Castle & Frenchtown Railroad als eine der ersten Eisenbahngesellschaften in den Vereinigten Staaten. Die Bahn benutzte anfangs noch Holzschienen. Auch das Justizsystem des Staates erfuhr damals eine Erneuerung. Die Zahl der Richter wurde von neun auf fünf verringert.
Im Jahr 1831 kam es in Virginia zu einem von Nat Turner geführten Sklavenaufstand, der auch in Delaware große Besorgnis auslöste. Dabei gerieten die freien Afroamerikaner, von denen es damals etwa 16.000 in Delaware gab, unter Verdacht der Konspiration. Man fürchtete, sie könnten die etwa 3000 Sklaven in dem Staat zur Rebellion bewegen. Daher wurde die Zuwanderung weiterer freier Afroamerikaner weiter eingeschränkt und den bereits Ansässigen wurden strikte Auflagen gemacht. Sie durften unter anderem ohne Genehmigung keine Waffen mehr tragen und sich nachts nicht mehr ohne Aufsicht versammeln. Gouverneur Hazzard war der letzte Gouverneur, der unter der alten Verfassung eine dreijährige Amtszeit absolvierte.
Auch nach dem Ende seiner Gouverneurszeit blieb David Hazzard politisch aktiv. Zwischen 1835 und 1836 sowie von 1837 bis 1838 war er Mitglied des Senats von Delaware. Im Jahr 1844 wurde er als bisher einziger Richter an ein Gericht in Delaware berufen, ohne dass er jemals eine juristische Ausbildung genossen hatte. Dieses Amt übte er bis 1847 aus. Im Jahr 1852 war er Mitglied einer Versammlung zur erneuten Überarbeitung der Staatsverfassung. Er trat aber aus Protest gegen die Wahl der Kommissionsmitglieder aus diesem Gremium zurück. Deren Verfassungsentwurf wurde dann in einer Volksabstimmung abgelehnt. Gouverneur Hazzard starb im Juli 1864. Er war mit Elizabeth Collins, der Tochter von John Collins verheiratet, der 1821–1822 ebenfalls Gouverneur von Delaware war. Das Paar hatte fünf Kinder.
McKinly | McKean | Read | Caesar Rodney | Dickinson | Cook | Van Dyke | T. Collins Davis | Clayton | Bedford | Rogers | Bassett | Sykes | D. Hall | Mitchell | Truitt | Haslet | D. Rodney | Clark | Stout | J. Collins | Caleb Rodney | Haslet | Thomas | Paynter | Polk | Hazzard | Bennett | Polk | Comegys | Cooper | Stockton | Maull | Temple | Tharp | Ross | Causey | Burton | Cannon | Saulsbury | Ponder | Cochran | J. Hall | Stockley | Biggs | Reynolds | Marvil | Watson | Tunnell | Hunn | Lea | Pennewill | Miller | Townsend | Denney | Robinson | Buck | McMullen | Bacon | Carvel | Boggs | Buckson | Carvel | Terry | Peterson | Tribbitt | du Pont | Castle | Wolf | Carper | Minner | Markell

Denise Lewis

Denise Lewis (* 27. August 1972 in West Bromwich) ist eine ehemalige britische Siebenkämpferin und Olympiasiegerin.
Lewis lernte als Kind Ballett und Stepptanz. Nachdem sie als Jugendliche einem örtlichen Leichtathletik-Club beigetreten war und einige Disziplinen ausprobiert hatte, entschied sie sich für den Siebenkampf. Ihren ersten Wettkampf bestritt sie 1989 und erreichte vielversprechende 5.277 Punkte. Ihr erster internationaler Wettkampf war 1991 die Junioren-Europameisterschaften, wo sie mit 5.476 Punkten Fünfte wurde.
Ihren internationalen Durchbruch erlebte sie bei den Commonwealth Games 1994 in Victoria. Dort gewann sie mit 6.325 Punkten die Goldmedaille. Die Leichtathletik-Weltmeisterschaften 1995 in Göteborg brachten wieder einen leichten Rückschritt in der Leistungsentwicklung. Sie erreichte den siebten Platz mit 6.299 Punkten. Bei ihrer olympischen Premiere bei den Spielen 1996 in Atlanta gewann sie die Bronzemedaille und trat auch in der Weitsprungkonkurrenz an, konnte sich jedoch nicht für das Finale qualifizieren.
Die Leichtathletik-Weltmeisterschaften 1997 in Athen brachten einen großen Zweikampf mit der Deutschen Sabine Braun, die von der ersten Disziplin an in Führung lag und diese Führung nicht wieder abgab. Denise Lewis gewann die Silbermedaille. Bei den Europameisterschaften 1998 stieg sie auf das oberste Podest und wurde beste Siebenkämpferin Europas.
Bei den Leichtathletik-Weltmeisterschaften 1999 in Sevilla bekam sie mit der soeben eingebürgten Französin Eunice Barber eine neue Konkurrentin. Es entwickelte sich einer der spannendsten Siebenkampf-Wettkämpfe in der Geschichte der Weltmeisterschaften. Nach dem ersten Tag führte Barber mit einem Punkt Vorsprung auf Lewis. Am zweiten Tag konnte sich die Französin ganz klar steigern, und die amtierende Europameisterin Lewis wurde erneut Vize-Weltmeisterin.
Bei den Olympischen Spielen 2000 in Sydney hatte sie nach dem ersten Tag als Drittplatzierte einen Rückstand von 51 Punkten auf die Weißrussin Natallja Sasanowitsch. Erst bei der vorletzten Disziplin, dem Speerwurf, übernahm Lewis die Führung, die sie im abschließenden 800 m-Lauf verteidigen konnte.
Bereits im Vorfeld der Olympischen Spiele von Sydney hatte sie Probleme mit Verletzungen. Dies sollte sich in den Jahren nach ihrem größten Triumph noch verstärken. Die Leichtathletik-Weltmeisterschaften 2001 in Edmonton musste sie deshalb absagen. 2002 war der Grund für die Absage der Europameisterschaften in München ein erfreulicher: Sie wurde Mutter einer Tochter.
2003 kehrte sie Denise Lewis auf die Leichtathletik-Bühne zurück und brachte es in Tallinn bei ihrem ersten Wettkampf seit ihrem Olympiasieg 2000 auf 6.282 Punkte. Mittlerweile gab es jedoch mit Carolina Klüft aus Schweden einen neuen Star im Siebenkampf. Klüft gewann die Leichtathletik-Weltmeisterschaften 2003 in Paris; Lewis wurde Fünfte.
Bei den Olympischen Spielen 2004 in Athen wollte Lewis ihren Olympiatitel verteidigen. Es sollte ihr letzter großer Wettkampf werden. Verletzungen behinderten sie weiterhin, doch sie kam trotzdem gut in den Olympischen Wettkampf und lag zwischenzeitlich auf Rang drei, bevor sie den Wettkampf abbrechen musste. Die Bronzemedaille gewann Kelly Sotherton, ihre Nachfolgerin im britischen Team.
Auch nach dieser Enttäuschung trat sie noch nicht vom aktiven Leistungssport zurück. Erst im Juni 2005, im Vorfeld der Weltmeisterschaften 2005 in Helsinki, gab sie ihren Rücktritt bekannt.
Denise Lewis ist neben Paula Radcliffe und Kelly Holmes eine der beliebtesten Leichtathletinnen in Großbritannien. Sie wurde jeweils 1998 und 2000 den zweiten Platz bei der Wahl zur BBC Sports Personality of the Year. In der zweiten Staffel der BBC-Tanzshow Strictly Come Dancing belegte sie 2004 den zweiten Platz. Ihre Tochter Rachel Emily Bragg ist professionelle Volleyballspielerin und steht in der Saison 2011/12 beim deutschen Bundesligisten VT Aurubis Hamburg unter Vertrag.
1982: Ramona Neubert | 1986: Anke Behmer | 1990: Sabine Braun | 1994: Sabine Braun | 1998: Denise Lewis | 2002: Carolina Klüft | 2006: Carolina Klüft | 2010: Jessica Ennis | 2012: Antoinette Nana Djimou Ida | 2014: Antoinette Nana Djimou Ida
1964: Irina Press | 1968: Ingrid Becker | 1972: Mary Peters | 1976: Sigrun Siegl | 1980: Nadeschda Tkatschenko | 1984: Glynis Nunn | 1988: Jackie Joyner-Kersee | 1992: Jackie Joyner-Kersee | 1996: Ghada Shouaa | 2000: Denise Lewis | 2004: Carolina Klüft | 2008: Natalja Dobrynska | 2012: Jessica Ennis
Liste der Olympiasieger in der Leichtathletik

Reginbert von Seldenbüren

Reginbert von Seldenbüren, heute Sellenbüren, auch Reinbert von Seldenbüren († 29. Dezember 964 in St. Blasien) ist der legendäre Gründer des benediktinischen Klosters St. Blasien im Schwarzwald.

Die Gründungsgeschichte des Klosters St. Blasien ist widersprüchlich. Bereits im 9. Jahrhundert bestand eine wohl von einem Adligen namens Sigemar im Jahr 856 oder 858 gegründete Einsiedelei im Schwarzwald. Sie wurde als Cella Alba oder Klause Albzell bezeichnet. Sigemar übergab sie wohl dem Kloster Rheinau. Die Cella Alba erhielt das Patrozinium St. Blasien, nachdem vom Kloster Rheinau aus Rom erhaltene Reliquien des Heiligen Blasius dorthin transferiert wurden.
Möglicherweise war das Kloster St. Blasien im 10. Jahrhundert zeitweise unbewohnt, wodurch es zu der Gründungsgeschichte, dass der Adlige Reginbert von Seldenbüren Gründer des Klosters St. Blasien gewesen sei, gekommen sein kann. Nachdem Reginbert als Eremit in den Schwarzwald gegangen sei, habe er sich in der Cella Alba niedergelassen, dem Kloster große Schenkungen gemacht und sei selber Benediktinermönch geworden. Seitdem galt er als hoch angesehener Gründer, Stifter und Wohltäter der Abtei.
Reginbert starb 964 und wurde in St. Blasien beerdigt. Seine Gebeine wurden im Jahr 1927 in den alten Mönchschor des Doms von St. Blasien umgebettet. Das war bereits 1739 nach dem Abbruch des alten Münsters und nochmals 1768 nach dem Brand geschehen.
Aus der Mitte oder dem Ende des 13. Jahrhunderts ist ein Buchkastendeckel erhalten, auf dem zentral Maria mit dem Kind im Arm dargestellt wird, links von ihr sieht man Reginbert in der Kleidung eines Edelmannes, rechts von ihr wurde Arnold II., Abt des Klosters St. Blasien in den Jahren 1247-1276, abgebildet. Dieses Kunstwerk befindet sich heute in der Kunstsammlung des Stiftes Sankt Paul im Lavanttal.
Das Kloster St. Blasien schmückt ein Fresko des beginnenden 20. Jahrhunderts, auf dem Reginbert seine Schenkung dem Heiligen Konrad, Bischof von Konstanz der Jahre 943–975, übergibt.
Der katholische Gedenktag Reginberts ist der 29. Dezember.

Las posadas

Die Posadas sind vorweihnachtliche Feiern, die in Lateinamerika, Mexiko und auch im Südwesten der USA ab dem 16. Dezember gefeiert werden. Der Brauch wird nicht nur von römisch-katholischen Christen begangen, sondern findet sich auch im Kalender der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Amerika. Es sind insgesamt 9 Tage und jeder Tag bedeutet ein Monat der Schwangerschaft von Maria. Sie stellen die Suche Marias und Josephs nach einer Herberge auf ihrem Weg von Nazaret bis Betlehem vor der Geburt Jesu dar. Die letzte Posada wird deshalb am Heiligabend gefeiert.
Die Tradition kommt von den Augustinern, welche in ihrem Versuch die Indianer zu bekehren deren Sitten nutzten, um sie dem christlichen Glauben anzupassen. So feierten die Azteken im Dezember das Kommen Huitzilopochtlis. Die erste Posada fand statt im Kloster von Alcolman im Nordosten von Mexiko-Stadt. Dazu gab es immer Piñatas und es wurden Weihnachtslieder gesungen.
Heutzutage hat sich die Tradition geändert. Freunde und Verwandte treffen sich in einem Haus. Manche stehen vor der Eingangstür und stellen Maria und Joseph dar, die um eine Bleibe bitten. Im Haus ist der Gastwirt mit seinen Gästen. Abwechselnd wird gesungen. Alle haben eine kleine Kerze in der Hand. Manchmal tragen Kinder die Figuren Maria, Joseph und den Esel in der Hand.
Die draußen Stehenden fangen an zu singen:
Im Haus wird geantwortet mit:
Alle vier Verse wechselt man sich ab.
Zum Schluss singen alle:
Dies lässt sich wie folgt übersetzen: