Löschen (Datei)

Als löschen oder entfernen (englisch delete oder erase) wird in der Informationstechnik und Informatik allgemein das Löschen von Daten bezeichnet. Ein besonderer Fall ist das Löschen von Dateien.
Abhängig vom Speichermedium, der Speicherungsform der Datei, dem Betriebssystem und dem Dateisystem, unter dem die Datei geführt wird, können unterschiedliche Varianten und Stufen der Löschung angewendet werden, zum Beispiel nur das sogenannte logische und das physische Löschen.
Für das Verständnis der Vorgänge beim Löschen kann unterschieden werden zwischen der Datei als logischer Dateneinheit und ihrem Inhalt. Letzterer kann nach dem Löschen u. U. im Datenspeicher noch existieren, während die Datei als solche als gelöscht gilt.

Dateien werden heutzutage überwiegend in sogenannten Dateisystemen geführt. Darin werden die Informationen über die Dateien (Metadaten) in speziellen Verzeichnissen geführt, die Daten selbst getrennt davon, in ggf. vielen einzelnen Fragmenten verstreut gespeichert. Häufig kann auf die einzelnen Datenblöcke direkt zugegriffen werden. Die Aktionen zum Speichern der Daten (Lesen, Schreiben, Ändern, Löschen) werden dabei meist unter Verwendung von Teilfunktionen des Betriebssystems zur Dateiverwaltung oder über ein Datenbanksystem ausgeführt. Mehrere Dateien können in einem Dateiverzeichnis zusammengefasst sein, das auch selbst wieder Teil eines übergeordneten Verzeichnisses sein kann. Details siehe Hauptartikel Dateisystem.
Für das Löschen solcher Dateien können die folgenden Grundformen unterschieden werden:
In vielen grafischen Benutzeroberflächen werden Dateien, wenn sie vom Benutzer gelöscht werden, zunächst nur in einen besonderen Ordner – bspw. namens „Papierkorb“ – verschoben; Beispiel siehe . Dort bleiben sie temporär gespeichert und können unter ihrem ursprünglichen Dateinamen ohne Datenverlust wiederhergestellt werden; Beispiel siehe . In der Regel ist so auch das Löschen ganzer Ordner (mit mehreren Dateien und Unterverzeichnissen) möglich. Erst durch die Papierkorb-Funktion „Leeren“ werden diese Dateien/Objekte aus dem Dateiverzeichnis ausgetragen und damit „logisch gelöscht“ (siehe unten).
Unter einigen Oberflächen (z. B. Microsoft Windows oder KDE) lässt sich die Papierkorb-Funktion manuell zu- oder abschalten. Daneben ist es möglich, Dateien und Ordner (statt in den Papierkorb) direkt „logisch“ zu löschen, indem beim Löschen (über das Menü oder die Entfernen-Taste) die Umschalttaste gedrückt wird.
Löschfunktionen in kommandozeilenorientierten Oberflächen unterstützen üblicherweise die ‚Papierkorb-Funktion‘ nicht.
Von einem Dateisystem werden Dateien gelöscht, indem ihr Eintrag aus dem Dateiverzeichnis entfernt (Details siehe auch Harter Link) und der bisherige Speicherplatz der Daten als ‚überschreibbar‘ geführt wird. Diese Art des Löschens wird als logisches Löschen bezeichnet. Die Daten selbst befinden sich danach noch auf dem Datenträger, die von ihnen bisher belegten Speicherplätze werden erst dann überschrieben, wenn sie zum Speichern anderer Daten benötigt werden, ggf. für unterschiedliche Dateien. Bis zu diesem Zeitpunkt können sie durch den Einsatz spezieller Programme wiederhergestellt werden, ggf. nur teilweise.
Beim physischen Löschen, auch als sicheres Löschen bezeichnet, wird der Speicherplatz ehemaliger Dateien (der beim logischen Löschen als ‚frei‘ gekennzeichnet wurde) ein oder mehrmals mit bestimmten Bitkombinationen überschrieben. Somit können die bisherigen Daten nicht mehr oder nur mit einem erheblichen technischen (und damit finanziellen) Aufwand ausgewertet werden.
Dies ist jedoch keine für einzelne Dateien ausführbare Maßnahme und findet nicht beim Löschen einer einzelnen Datei statt. Vielmehr ist es eine Maßnahme zur Erhöhung der Datensicherheit oder des Datenschutzes, welche die Rekonstruktion der alten, eigentlich gelöschten Daten verhindern oder erschweren soll.
Siehe auch Informationen des BSI zu „Daten richtig löschen“.
Für magnetische Festplatten gibt es für diese Art des Löschens spezielle Programme, beispielsweise Wipe oder Eraser. Der VSITR-Standard des Bundesamts für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) schreibt seit einigen Jahren für ‚normale Sicherheitsanforderungen‘ nur noch einmaliges Überschreiben vor. Siehe auch .
Bei weiteren über Dateisysteme verwalteten Speichermedien (beispielsweise Diskette, USB-Stick, SD-Card, SSD, CD und DVD etc.) werden die vorgenannten Verfahren zum Löschen von Dateien aus verschiedenen Gründen zum Teil nicht oder nicht in der beschriebenen Art und Weise angewendet. Beispiele für derartige Unterschiede:
Allgemein gilt als Grund für das Löschen von Dateien, dass diese – auf dem jeweiligen Datenträger – nicht mehr benötigt werden. Im Einzelnen können dafür beispielsweise folgende Sachverhalte die Ursache sein:
Das Löschen von Dateien kann operational auf unterschiedliche Art und Weise geschehen, zum Teil explizit durch einen Benutzer veranlasst, zum Teil implizit im Ablauf beliebiger Programme:
Dateien, von denen weitere Kopien, z. B. Sicherungskopien existieren oder die anderweitig an einen nicht-lokalen Speicher übertragen wurden (z. B. in eine Cloud) sind üblicherweise an mehreren Stellen gespeichert. Das Lokalisieren und Löschen dieser Kopien ist für den Benutzer selbst meist nicht möglich. Ob die Kopien jemals gelöscht werden, hängt z. B. davon ab, ob alte Sicherungen irgendwann durch das Rotationsschema überschrieben werden.
Eine implizite Variante des Löschens findet beim Ersetzen einer Datei mit einem anderen/neuen Inhalt statt. Da der bisherige Inhalt der Datei anschließend nicht mehr existiert, ist zwar nicht die Datei, aber deren alter Inhalt ‚gelöscht‘. Die Datei enthält anschließend einen neuen Inhalt – wobei der alte Dateiinhalt meist nur ‚logisch gelöscht‘ sein wird.
Der Begriff „Datei“ wird häufig und überwiegend mit der Speicherung auf Massenspeichern assoziiert, wie Festplatten oder Flash-Speicher, darunter Solid-State-Drives, USB-Sticks oder SD-Karten. Dateien werden und wurden aber auch auf anderen Speichermedien geführt und auch diese Dateien müssen gelöscht bzw. eliminiert werden können. Nachfolgend wird deshalb kurz das ‚Löschen‘ aus diesen Datenträgern erläutert: