Mädchen

Ein Mädchen ist ein junger Mensch weiblichen Geschlechts, der noch nicht das Erwachsenenalter erreicht hat, also ein Kind oder eine Jugendliche, die noch keine Frau ist.
Mädchen sind Gegenstand biologischer, medizinischer, entwicklungspsychologischer, pädagogischer, kulturanthropologischer, sozialgeschichtlicher, sozialwissenschaftlicher, kulturgeschichtlicher und kulturwissenschaftlicher Betrachtung. Um eine interdisziplinäre Beschreibung von Mädchen bemüht sich die Mädchenforschung.

Der Begriff Mädchen als Bezeichnung für „Jugendliche, Kind weiblichen Geschlechts, Freundin eines jungen Mannes“, verwendet ein Diminutivsuffix und ist etymologisch eine Verkleinerungsform des mittelalterlichen Wortes Magd. Es wurde zunächst im 15. Jahrhundert im Mittelniederdeutschen mēgedeken verwendet, sowie im Obermitteldeutschen Medichen Anfang des 16. Jahrhunderts, woraus Mägdchen im 17. Jahrhundert und schließlich Mädchen entstand. Martin Luther verwendete in seiner Bibelübersetzung noch die Ausdrücke Meidlin (Mägdlein), Jungfraw (Jungfrau) und Dirne.
Daneben wurde, vom Oberdeutschen ausgehend, Mädel mit dem Diminutivsuffix -el gebildet. Die Bezeichnung Mädel wurde in der Vergangenheit zum Teil propagandistisch genutzt. So nannten die Nationalsozialisten die Nachwuchsorganisation für Frauen Bund Deutscher Mädel. Er wurde daher vorübergehend im Wörterbuch des Unmenschen 1957 als einer von 28 Ausdrücken geführt, die nach Ansicht der Autoren aus dem deutschen Sprachschatz gestrichen werden sollten, weil sie den „Wortschatz der Gewaltherrschaft“ verkörperten. Seine Verwendung wird mitunter von der heutigen rechten Szene wieder aufgegriffen (vgl. Mädelring Thüringen), ist aber in der Umgangssprache, häufig auch in ironischer Form, verbreitet.
Bis ins 20. Jahrhundert wurde die Bezeichnung häufig auch für Hausangestellte oder die Freundin eines jungen Mannes verwandt. Solche Verwendungen des Wortes Mädchen gelten als veraltend.
Im Gegensatz zum Wort Bube findet sich das Mädchen (Mädel) in knapp 270 Sprichwörtern in Wanders Deutsches Sprichwörter-Lexikon (5 Bände; hier Band 3; Seiten 310 – 322) (Wo’s verliebte Mädchen gibt, wird die Thür umsonst verschlossen).
Zu den Begriffen, mit denen Mädchen im Alten Testament assoziiert werden, zählen Anmut und Schönheit, Schmuck, das Spielen von Musikinstrumenten und der Gesang von Hochzeitsliedern, Tanz, Jungfräulichkeit und Brautwerbung, aber auch Brautraub, Vergewaltigung und Trauer. Mädchen unterliegen in der Bibel keinen besonderen Geboten, die nur für sie gelten.
Das Alte Testament ist reich an einprägsamen Frauengestalten; darunter sind etwa Abrahams spätere Schwiegertochter Rebekka, Jakobs Tochter Dina, Mirjam, die Schwester des Mose, König Davids junge Pflegerin Abischag, die spätere Königin Ester und die gelegentlich als Sulamith bezeichnete Liebende im Hohelied Salomos.
Im orthodoxen Judentum gelten für Mädchen andere rituelle Gesetze als für Jungen. Während Jungen bald nach der Geburt im Rahmen eines Ritus (Brit Mila) beschnitten werden, beschränken sich die Riten bei der Geburt eines Mädchens meist darauf, dass der Vater bei der nächsten Tora-Lesung in der Synagoge den Namen der Tochter bekannt gibt. Da weder die Mischna noch der Talmud Vorschriften zu dieser Frage enthalten, wird die Namensgebungszeremonie für neugeborene Mädchen (Zeved habat, Simchat bat) innerhalb der verschiedenen Strömungen des Judentums sowie historisch und regional uneinheitlich gehandhabt. Ebenso wie Jungen studieren Mädchen auch im orthodoxen Judentum das jüdische Schrifttum, und zwar insbesondere die Gesetze, die die von Frauen zu erfüllenden Mitzwot regeln, z. B. Sabbat, Kashrut und Familienreinheit betreffend. Einen der Bar Mitzwa entsprechender Übergangsritus für Mädchen, Bat Mitzwa genannt, gibt es nur außerhalb des orthodoxen Judentums.
Die Rede über Mädchen im Neuen Testament ist sparsamer und weniger poetisch als die des Alten Testaments. Die bekannteste Gestalt ist die Jungfrau Maria, zur Zeit der Verkündigung ein junges Mädchen. Darüber hinaus berichtet das Neue Testament auch über Salome, die Tochter der Herodias, die als Lohn für ihren Tanz den Kopf des Johannes fordert. Aber auch in den Wundern Jesu treten Mädchen hervor, darunter die zwölfjährige Tochter des Jaïrus, die durch Jesus vom Tode erweckt wird, und die kleine Tochter einer Griechin, der Jesus einen Dämon austreibt.
Das Christentum kennt grundsätzlich keine verschiedenen Riten für Mädchen und Jungen. In der römisch-katholischen Kirche und den orthodoxen Kirchen können manche Sakramente und Sakramentalien allerdings nur von Männern oder Frauen empfangen werden.
Mädchen haben ihre eigene Rolle zu Jugendkulturen beigetragen. So gilt die Girlie-Kultur als eine von Mädchen allein getragene moderne Bewegung der Popkultur. Laut dem Kulturwissenschaftler Jonas Engelmann ist Emo „die erste Jugendkultur, in der sich die Jungs an die Mädchen anpassen. Die Emos stellen das Rollenmodell auf den Kopf.“
Der wissenschaftlichen Erfassung der wirtschaftlichen, politischen, sozialen und kulturellen Faktoren, welche die Lebensbedingungen von Mädchen bestimmen, widmet sich seit dem späten 20. Jahrhundert die Mädchenforschung, ein Zweig der Frauenforschung. Angeregt wurde der wissenschaftliche und gesellschaftliche Diskurs um Mädchen u. a. durch Elena Gianini Belottis 1973 in Italien publizierten Essay Was geschieht mit kleinen Mädchen?
In Deutschland gab es in den 1980er Jahren erste Ansätze hinsichtlich einer geschlechtsdifferenzierenden Mädchenforschung. Die damalige Ausweitung und verstärkte Förderung von Frauenstudien und -projekten fand auch Niederschlag in Projekten und Lehrveranstaltungen speziell zu Mädchenarbeit an universitären Einrichtungen. Der 6. Jugendbericht 1984 lieferte durch 39 Expertisen zu Lebenswelten von Mädchen und deren Perspektiven eine fundierte Basis. Es leitete sich die Forderung nach einer zielgerichteten Förderung von Mädchen in sämtlichen Bereichen der Jugendhilfe ab. 1991 hat die Erziehungs- und Sozialwissenschaftlerin Claudia Franziska Bruner eine erste Übersicht über Ergebnisse der noch jungen Mädchenforschung veröffentlicht. 2008 folgte ein Übersichtsartikel von Helga Kelle. Als einschlägige Expertinnen gelten die Medienwissenschaftlerin Maya Götz und die Erziehungswissenschaftlerin Petra Focks.
In den Vereinigten Staaten, wo Studien- und Forschungszentren für Girls’ Studies u. a. an der University of Missouri–Kansas City, der State University of New York in Cortland und an der University of Illinois at Urbana-Champaign zu finden sind, veröffentlichte Elline Lipkin (damals UC Berkeley) im Jahre 2006 ihren Übersichtsband Girls’ Studies: Seal Studies.