Johannes Kramer (Physiker)

Johannes Heinrich Kramer (* 1905 in Neuenkirchen; † 8. Juni 1975 in Braunschweig) war ein deutscher Physiker der Experimentalphysik sowie Direktor und Professor a. D. an der Physikalisch-Technischen Bundesanstalt (PTB) in Braunschweig.

Kramer studierte an den Universitäten in Bonn, Münster und Kiel. 1933 wurde er an der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel mit einer Arbeit Über nichtleitende Metallmodifikationen zum Dr. phil. (Doktor der Naturwissenschaften) promoviert. Anschließend war er für zwei Jahre als Assistent Professor Zahns in Kiel tätig eher er, gemeinsam mit diesem, nach Ankara in die Türkei wechselte. Dort beschäftigte er sich mit dünnen Metallschichten. 1939 kehrte er nach Deutschland zurück und nahm eine Stellung in der Physikalisch-Technischen Reichsanstalt (PTR) in Berlin an. Kramer arbeitete im Kältelabor in der Arbeitsgruppe um Eduard Justi an der Anisotropie der Magnetowiderstandsänderung von Metalleinkristallen bei tiefen Temperaturen. Kramer erforschte im selben Jahr erstmals die Emission von niederenergetischen Elektronen aus Festkörpern nach der Beanspruchung durch chemische Oberflächenreaktionen, mechanische Belastung oder energiereiche Strahlung und erkannte darin eine einheitliche Erscheinungsform. Er gilt als Begründer der Erforschung der Exoelektronenemission, die 1956 auf einer Tagung in Innsbruck nach ihm „Kramer-Effekt“ genannt wurde.

Hänssler Classic

Hänssler Classic (Eigenschreibweise: hänssler CLASSIC) ist ein Musiklabel der Profil Medien GmbH mit Sitz in Neuhausen auf den Fildern, initial aus dem Hänssler Verlag hervorgegangen. Es gehört heute nach eigenen Angaben zu den weltweit erfolgreichsten unabhängigen Plattenlabeln für Klassische Musik.
1975 gründete Friedrich Hänssler in seinem Verlag mit Laudate ein Plattenlabel für vorrangig sakrale klassische Musik. Zu seinen ersten prominenten Künstlern gehörte der Bach-Experte Helmuth Rilling. Mit seinem Chor, der Gächinger Kantorei Stuttgart, begann er zunächst mit der Gesamteinspielung der geistlichen Kantaten Bachs, die bis zum Bach-Jahr 2000 dann um sämtliche übrigen Werke einschließlich Fragmenten und unvervollständigten Kompositionen komplett ergänzt wurde. Die, in dieser konsequenten Form und unter kontinuierlicher künstlerischer Leitung, einzigartige Edition Bachakademie wurde mit diversen internationalen Preisen wie dem ECHO Klassik ausgezeichnet. 2002 wurde der Hänssler Verlag und das Label hänssler CLASSIC nach wirtschaftlichen Schwierigkeiten vom Unternehmensverbund Stiftung Christliche Medien übernommen. Im September 2015 erwarb die von Günter Hänssler gegründete „Profil Medien GmbH“ das von ihm vormals mitgegründete Label „hänssler CLASSIC“ zurück.
Das Label positioniert sich im Musikmarkt mit Veröffentlichungen von Jazz bis Kirchenmusik zwischen Tradition und Innovation und gehört mit 50 bis 60 Neuerscheinungen im Jahr zu den erfolgreichsten von Major-Labeln unabhängigen Musiklabel für Klassische Musik.

Übersprungbewegung

Übersprungbewegung (auch: Übersprunghandlung, Übersprungverhalten; engl.: displacement activity, gelegentlich auch: substitute activity oder behaviour out of context) ist ein Fachbegriff der vor allem von Konrad Lorenz ausgearbeiteten Instinkttheorie. Er wurde von Nikolaas Tinbergen und Adriaan Kortlandt in die Ethologie eingeführt und bezeichnet bestimmte Verhaltensmuster, die vom Beobachter als „unerwartet“ empfunden werden, da sie innerhalb einer Verhaltensabfolge auftreten, in der sie keinem unmittelbaren Zweck zu dienen scheinen. Nikolaas Tinbergen beschrieb sie wie folgt: „Diese Bewegungen scheinen irrelevant in dem Sinne zu sein, dass sie unabhängig vom Kontext der unmittelbar vorhergehenden oder folgenden Verhaltensweisen auftreten.“
Gedeutet wurde solches, dem Beobachter „unpassend“, ohne nachvollziehbaren Bezug zur gegebenen Situation erscheinendes Verhalten als Ausdruck „eines Konfliktes zwischen zwei Instinkten“, weswegen die Fortführung des zuvor beobachtbaren Instinktverhaltens – zumindest zeitweise – nicht möglich ist und stattdessen eine Verhaltensweise gezeigt wird, die (der Instinkttheorie zufolge) aus einem völlig anderen – dritten – Funktionskreis des Verhaltensrepertoires stammt.
Ursprünglich als Übersprungbewegung interpretierte Verhaltensweisen haben, wie spätere verhaltensbiologische Forschung zeigte, den Charakter sozialer Signale, sind also keineswegs irrelevant im jeweiligen Kontext.

Dem Konzept der Übersprungbewegungen lag die Annahme zugrunde, dass zwei einander entgegengesetzte Instinkthandlungen (zum Beispiel Angriff und Flucht) sich wechselseitig hemmen und die für beide freigesetzte „Triebenergie“ in dieser Situation auf eine dritte Verhaltensweise überspringt, so dass diese dritte Verhaltensweise ausgeführt werde – also „Bewegungen, die einem anderen Instinkt gehören als den augenblicklich aktivierten Instinkten bzw. dem augenblicklich aktivierten Instinkt.“ Klaus Immelmann erläuterte, das von den Vertretern der klassischen vergleichenden Verhaltensforschung als Übersprungverhalten klassifizierte Verhaltensmuster sei für den Beobachter „unerwartet in dem Sinne, dass es in der Situation, in der es auftritt, nicht die normale biologische Funktion erfüllt, für die es im Laufe der Stammesgeschichte entwickelt wurde.“ Mit anderen Worten: Wird der Ablauf einer Instinkthandlung durch Mängel der auslösenden Situation oder Auftreten eines Konfliktes zwischen unvereinbaren Instinkten gestört, kann die aufgestaute Triebenergie über ein in der Situation scheinbar irrelevantes, zu einem anderen Instinkt gehörendes Verhalten abreagiert werden.
Die von Tinbergen um 1940 entwickelte Übersprunghypothese geht davon aus, dass immer dann, wenn die „Entladung“ einer aktionsspezifischen Erregung, also des aktivierten Instinktes, nicht möglich ist, ein anderes – aber immer gleiches – Bewegungsmuster hervorgebracht wird. Laut Tinbergens „Instinktlehre“ von 1952 zeige ein Tier dann Übersprungverhalten, „wenn bei sehr starkem Trieb … die Außensituation nicht hinreicht, um die Endhandlung auszulösen“. Dies bedeutet in der Konsequenz, dass diesem Modell zufolge eine Verhaltensweise C einerseits (und in der Regel) von ihrer spezifischen Erregung ausgelöst wird, andererseits aber auch (gleichsam durch das Überspringen einer „Fremderregung“) durch Verhaltensweise B ausgelöst werden kann: nämlich dann, wenn Verhaltensweise B zum Beispiel aufgrund fehlender Schlüsselreize blockiert ist und daher ein „Erregungsstau“ auftritt.
Im Unterschied zur Übersprunghypothese wird die Übersprungbewegung nach van Iersel & Bol (1958) laut Enthemmungshypothese durch eine eigene Energie aktiviert. Die Enthemmungshypothese basiert auf der Annahme, dass ein bestimmter Instinkt auf andere Instinkte eine hemmende Wirkung ausüben kann: Wenn eine bestimmte Instinktbewegung gerade ausgeführt werde, unterbinde sie alle anderen Instinktbewegungen, um ein ständiges Hin- und Herspringen zwischen verschiedenen Verhaltensweisen zu vermeiden. Die weitergehende und für das „Funktionieren“ der Enthemmungshypothese entscheidende Annahme besagt, dass sich bestimmte Instinkte wechselseitig hemmen können. Ist deren Stärke ungefähr gleich groß, so bedeute dies, dass sie sich gegenseitig vollständig blockieren: Weder die eine noch die andere Instinktbewegung könne dann auftreten. Eine solche gegenseitige Hemmung zweier Antriebe habe zur Folge, dass eine gegenüber einem dritten Instinkt zuvor bestehende Hemmung aufgehoben werde. Die diesem dritten Instinkt zugeordneten Verhaltensmuster können dann aufgrund der Enthemmung in Erscheinung treten und werden als Übersprungbewegungen interpretiert.
Allgemeiner formuliert (nach Bernhard Hassenstein): Antrieb A und B hemmen einander; Verhaltensweise B hemmt – wenn sie auftritt – zusätzlich auch den Antrieb für Verhaltensweise C; da Verhaltensweise B aber nicht auftreten kann, so lange sie von A blockiert wird, tritt Verhaltensweise C auf und kann vom Beobachter als Übersprungbewegung klassifiziert werden. Hassenstein wies allerdings 1983 die Enthemmungshypothese als untauglich zurück.
Das wohl am häufigsten angeführte Beispiel für Übersprungbewegungen bezieht sich auf Beobachtungen an annähernd gleich starken Hähnen, die miteinander ihre „Hackordnung“ auskämpfen: Plötzlich pickt einer der beiden auf dem Boden umher, als würde er Futter aufnehmen, und häufig folgt der andere umgehend dem Vorbild des Rivalen. Gedeutet wird diese Situation im Rahmen der Instinkttheorie als Ausdruck einer gleich starken Kampf- und Flucht-Motivation (Handlungen A und B), was als Übersprungbewegung „Futterpicken“ (Handlung C) hervorrufe. Nach einem solchen „Zwischenspiel“ werde der Kampf in der Regel fortgesetzt.
Von Lachmöwenmännchen berichtet Nikolaas Tinbergen, dass sie – vergleichbar den Hähnen – einen Kampf gelegentlich gleichzeitig unterbrechen und die Bewegungsweise des Grasabrupfens zeigen, ohne dabei aber Gras abzurupfen. Grasabrupfen ist – Tinbergen zufolge – eine Bewegungsweise, die dem Funktionskreis des Nestbauens zuzuordnen sei; wenn sie aber im Zusammenhang mit einem Kampf auftrete, sei sie ohne jede Funktion („irrelevant“) und somit eine Übersprungbewegung.
Ein weiteres von Tinbergen in einem Übersichtsartikel dargestelltes und seitdem vielfach zitiertes Beispiel stammt aus dem Fortpflanzungszyklus der Dreistachligen Stichlinge: Wenn das Weibchen Eier abgelegt hat, fächelt das Männchen am Nest häufig und intensiv mit seinen Flossen. Als Schlüsselreiz für diese Instinktbewegung gelten die im Nest befindlichen Eier. Tritt dieses Fächeln bereits während der Werbung um ein Weibchen oder während des Nestbaus auf – wenn also noch keine Eier vorhanden sind –, so wird es von Tinbergen als Übersprungverhalten eingeordnet.
Seeschwalben führen Putzbewegungen durch, wenn sie in Konflikt zwischen Brutpflege und Flucht oder Flucht und Angriff sind.
Honigbienen putzen sich am Futterplatz, wenn sie in Konflikt zwischen Bleiben oder Aufsuchen eines neuen Futterplatzes sind.
Austernfischer vor einem Spiegel führen Schlafbewegungen im Konflikt zwischen Angriff und Flucht aus.
Häufig erwähnt wird schließlich auch das Verhalten des Menschen, der sich zum Beispiel gelegentlich im Auto verlegen am Kopf kratzt, wenn er nicht weiß, ob er nach der Ampel rechts oder links abbiegen soll. Ähnlich verhält sich manch ein Redner vor einem größeren Publikum, der einerseits motiviert ist, das Publikum anzusprechen, andererseits (besonders bei Unsicherheit) sich der Situation am liebsten durch Flucht entziehen möchte. Als „irrelevante“ Handlungen führt er diverse Putzbewegungen aus: sich über die Haare streichen, Brille auf- und absetzen, Brille putzen, an den Manschetten zupfen, Staub von der Kleidung wischen, Papiere ordnen.
Beide Modelle, anhand derer die mutmaßlichen inneren Ursachen der als Übersprungbewegungen gedeuteten Verhaltensweisen formal beschrieben werden können, sind Fortentwicklungen der älteren „psychohydraulischen“ Verhaltensmodelle hin zu moderneren, an elektrischen Schaltkreisen orientierten Modellen. Sie gehen von zwei Voraussetzungen aus: „1. Jede Bewegung kann einem Verhaltenssystem zugeordnet werden. 2. Man kann in jeder Situation feststellen, welche Verhaltenssysteme aktiviert sind und welche nicht.“ Ein weiterer grundlegender Gedanke dieser Modelle ist, dass tierisches Verhalten nicht rein reaktiv ist, wie es in den 1930er-Jahren von den Behavioristen angenommen wurde (und auch keine bloße Abfolge von Reflexen), sondern dass die Spontaneität des Verhaltens betont wird: Man ging davon aus, dass es spontan aktive Nervenzellen im Gehirn gebe, die Erregung produzieren und so ein Tier veranlassen, ein bestimmtes Verhalten zu zeigen.
Bedenken gegen diese Deutung beobachtbaren Verhaltens hatte bereits Gerard Baerends geäußert, als er 1956 im Handbuch der Zoologie darauf hinwies, dass die von den Ethologen als Übersprungbewegung interpretierten Verhaltensweisen zumindest „sekundär Signalbedeutung erlangen“ könnten und zugleich bedauert: „Von der Physiologie der Übersprungbewegungen ist jedoch leider nichts weiteres bekannt.“ Da auch später keine Hirnregionen identifiziert werden konnten, die mit dem Übersprungverhalten in Verbindung zu bringen waren, griff Peter Sevenster 1974 in Grzimeks Tierleben Baerends Hinweis auf und betonte, dass „wir selten (wenn überhaupt jemals) den Anpassungswert oder sogar die Stammesgeschichte der betreffenden Bewegung durchschauen.“
Zwei Jahrzehnte später wurden die evolutionsbiologischen Vorbehalte gegen das Konzept der Übersprungbewegungen durch die damalige Bonner Verhaltensbiologin Hanna-Maria Zippelius mit wissenschaftstheoretischen Argumenten vertieft; Zippelius‘ Kritik lautete: „Keine der beiden Hypothesen, die das Auftreten einer Übersprungbewegung ‚erklären‘ sollen, bietet die Möglichkeit einer empirischen Überprüfung,“ da kein Verfahren zur Verfügung stehe, um die postulierten Veränderungen von inneren Antrieben fortlaufend zu messen. Nur unter der Voraussetzung, dass die Stärke zweier Antriebe gleichzeitig gemessen werden könne, sei aber „eine Aussage möglich, dass die Antriebe zu dem Zeitpunkt, zu dem die Übersprungbewegung beobachtbar ist, gleich stark sind.“ Zugleich kritisierte sie die „anmaßende Behauptung“, ein Verhaltensforscher könne allein anhand von Tierbeobachtungen – ohne Kenntnis der Stammesgeschichte des Verhaltens der betreffenden Tierart – entscheiden, ob ein Verhaltensmuster in einer bestimmten Situation „irrelevant“, also nicht zweckdienlich, eine bloße Unterbrechung der „eigentlichen“ Handlung sei: „Damit sind diese Hypothesen nicht mehr als phantasievolle Überlegungen Einzelner, die unter Anwendung des Lorenzschen Triebkonzeptes eine ‚Erklärung‘ des in Rede stehenden Phänomens nur vortäuschen.“ Zippelius verwies in diesem Zusammenhang u. a. auch auf Konrad Lorenz, der in seinem Spätwerk eingeräumt hatte, es sei „geradezu schwer, Beispiele von Übersprungbewegungen zu finden, die nicht Signalwirkungen entfalten.“ Wenn aber die sogenannten Übersprungbewegungen durchweg soziale Signale sind, dann haben sie durchaus eine Funktion in dem Kontext, in dem sie beobachtet werden: „Unerwartet sind sie dann nur noch für den Beobachter, der sie nicht versteht, d. h. sie nicht interpretieren kann.“
Das oben erwähnte Beispiel der kämpfenden Hähne (von denen einer plötzlich auf dem Boden umher pickt, als würde er Futter aufnehmen), kann beispielsweise auch als soziales Signal gedeutet werden, das dem Rivalen möglicherweise anzeigt, dass sich der pickende Hahn so überlegen fühlt, dass er selbst in dieser prekären Situation noch Futter aufnehmen kann.
Wolfgang Wickler, ein Schüler von Konrad Lorenz, bewertete schon 1990 das Konzept der Übersprungbewegung als überholt: „Die aktionsspezifische Energie erwies sich als modernes Phlogiston und das psychohydraulische Modell trotz raffinierter Veränderungen als untauglich, die Bereitschafts- und Zustandsänderungen im Tier adäquat abzubilden.“

Die DDR im Blick der Stasi

Die DDR im Blick der Stasi. Die geheimen Berichte an die SED-Führung ist eine auf 39 Bände angelegte Edition von Quellen zur Geschichte der DDR und des Ministeriums für Staatssicherheit. Die Reihe wird herausgegeben im Auftrag des Bundesbeauftragten für die Stasi-Unterlagen von Daniela Münkel.

Die Edition umfasst sämtliche Berichte, die die Zentrale Auswertungs- und Informationsgruppe (ZAIG), eine Diensteinheit des Ministeriums für Staatssicherheit, an die SED-Führung und die Regierung der DDR weiterleitete. Die ZAIG (ursprünglich ZIG – Zentrale Informationsgruppe) war aus der Abteilung Information hervorgegangen. Mit den Berichten wurde die DDR-Führung regelmäßig über die Lage und die Stimmung im Land, über besondere Vorkommnisse, sogenannte „Feindtätigkeit“ und „Feindpropaganda“, über Probleme in Industrie und Landwirtschaft und vieles mehr informiert. Die edierten Berichte ermöglichen dem Historiker daher einen guten Eindruck von den Verhältnissen in der DDR, so wie sie vom Staatssicherheitsdienst wahrgenommen wurden.
Die Berichte der ZAIG werden vollständig und ungekürzt wiedergegeben. Der Dokumentenapparat informiert über die Provenienz der Quelle, den Adressatenkreis, die Überlieferung sowie über etwaige Besonderheiten. Die wissenschaftliche Kommentierung erfolgt mittels Fußnoten, in denen neben textkritischen Hinweisen Ereignisse, Institutionen, Begriffe und Personen knapp erläutert werden.
Die ZAIG-Berichte werden jahrgangsweise in hybrider Form herausgegeben: Es erscheint jeweils eine Auswahl der Dokumente zusammen mit einer ausführlichen Einleitung in Buchform; der vollständige Jahrgang findet sich in Form einer Datenbank auf einer dem Buch beiliegenden CD-ROM. Jeweils ein Jahr nach der Veröffentlichung jedes Bandes wird der entsprechende Jahrgang auch Online zur Verfügung gestellt. Unter der Netzadresse www.ddr-im-blick.de sind so die Berichte auch jahrgangsübergreifend recherchierbar. Die Edition erscheint seit 2009 im Göttinger Verlag Vandenhoeck & Ruprecht. Jedes Jahr wird ein Band herausgegeben. Bisher sind die Jahrgänge 1953, 1961, 1965, 1976, 1977 und 1988 erschienen. Alle Bände wurden bisher mit prominenten Zeitzeugen, die auch in den jeweiligen Berichten erwähnt werden, vorgestellt, darunter der Liedermacher Wolf Biermann (1976), die Schauspielerin und Sängerin Eva-Maria Hagen (1961), der Liedermacher Stephan Krawczyk (1988) und der ehemalige DDR-Korrespondent des Magazins Der Spiegel, Ulrich Schwarz (1977).
Die Edition ist in Wissenschaft und Öffentlichkeit breit rezipiert worden. Besprechungen erschienen u.a. im historischen Rezensionsportal sehepunke, im Deutschland Archiv, im Jahrbuch für Kommunikationsgeschichte, in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung, in der Tagespost sowie in der Pankower Allgemeinen.

Luiza Złotkowska

Luiza Złotkowska (* 25. Mai 1986 in Warschau) ist eine polnische Eisschnellläuferin.
Sie trainiert bei AZS Zakopane, Trainerin ist Ewa Bialkowska (Februar 2010). Sie ist 1,60 Meter groß und wiegt 55 kg (Februar 2010). Bei den Weltmeisterschaften 2009 erreichte sie in der Mannschaftswertung den 8. Platz. 2010 erreichte sie bei den Europameisterschaften den 9. Platz über 1.500 Meter und den 11. über 3.000 Meter. Bei den Olympischen Winterspielen 2010 konnte sie zusammen mit Katarzyna Bachleda-Curuś und Katarzyna Woźniak eine Bronzemedaille in der Teamverfolgung erringen. Am 23. März 2010 wurde ihr dafür der Orden Polonia Restituta (Ritter) durch den polnischen Präsidenten Lech Kaczyński verliehen. Über 3000 Meter erreichte sie den 24., über 1.500 Meter den 34. Platz. Bei den Olympischen Winterspielen 2014 in Sotschi konnte sie zusammen mit Katarzyna Bachleda-Curuś, Natalia Czerwonka und Katarzyna Woźniak eine Silbermedaille in der Teamverfolgung erringen.
Die persönlichen Bestzeiten von Luiza Złotkowska (Stand Dezember 2014).

Matthäus Heil

Matthäus Heil (* 26. November 1960 in Bamberg) ist ein deutscher Althistoriker.
Nach dem Abitur studierte Matthäus Heil in Würzburg Deutsch und Geschichte für Lehramt, seit 1987 war er Wissenschaftlicher Mitarbeiter am Seminar für Alte Geschichte der Philipps-Universität Marburg. Nach einem Studium der griechischen Philologie wurde er 1992 in Würzburg mit dem Thema Die orientalische Außenpolitik des Kaisers Nero promoviert.
Seit 1993 ist er Mitarbeiter der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften, zunächst mit dem Arbeitsschwerpunkt Prosopographia Imperii Romani (PIR); von 2003 bis 2006 war er Arbeitsstellenleiter der PIR. Von 2006 bis 2011 war er für die Wahrnehmung der Lehre in Alter Geschichte an der TU Berlin beurlaubt. Seit 2013 ist er Mitarbeiter beim Corpus Inscriptionum Latinarum (CIL).
Er habilitierte sich 2005 an der Technischen Universität Berlin, wo er von 2006 bis 2011 als Gastprofessor für Alte Geschichte tätig war. Seit 2012 ist er Honorarprofessor an der Freien Universität Berlin.
Die Arbeitsschwerpunkte von Matthäus Heil sind die Römische Kaiserzeit, die Prosopographie sowie die Epigraphik.

Roc de Saint-Cirq

Der Eingang zur Höhle
Roc de Saint-Cirq ist eine Höhle in der französischen Gemeinde Saint-Cirq im Département Dordogne. Sie enthält Ritzzeichnungen aus dem Magdalénien. Saint-Cirq liegt am rechten Ufer der Vézère, ungefähr auf halbem Weg zwischen Les Eyzies und Le Bugue. Der Ort kann über die D 47 erreicht werden.

Die Höhle Roc de Saint-Cirq, auch als Höhle des Zauberers (franz. La Grotte du Sorcier) oder seltener als Höhle von Vic bezeichnet , wurde nach dem Roc de Saint-Cirq benannt, einer Steilwand in Kalken des Turoniums nordwestlich oberhalb von Saint-Cirq. Der Eingang zur Höhle befindet sich am linken Wandfuß.
Die Höhle ist relativ klein, sie hat einen rechteckigen bis trapezförmigen Grundriss mit einer Gesamtlänge von 13 m und einer Breite von fünf bis sechs Metern. Die Höhle war in den letzten Jahrhunderten als Weinkeller benutzt worden; für diesen Zweck wurde durch eine Absenkung des Bodens mehr Raum geschaffen.
Die Höhle ist seit alters her bekannt, die Ritzungen wurden erst 1952 von B. Mortureux und seiner Gattin erkannt, die auf tief eingravierte Wildpferde und das Tiefenrelief eines Wisents aufmerksam wurden. In den folgenden Jahren führten Henri Breuil und André Glory weitere Untersuchungen durch. Glory fertigte Pauszeichnungen der Abbildungen an. 1965 war hier André Leroi-Gourhan tätig, gefolgt von Alain Roussot und schließlich von Brigitte und Gilles Delluc im Jahr 1981, die eine detaillierte Inventur der Kunstwerke erstellten.
Insgesamt enthält die Höhle 15 meist unvollständige Gravuren. Dargestellt wurden mehrere menschliche Figuren, Wildpferde, Wisente, ein Steinbock und abstrakte Zeichen. Eine Besonderheit ist eine kleine Statuette einer Schildkröte. Unter den menschlichen Repräsentationen befindet sich der sogenannte Zauberer (oder Schamane), durch den die Höhle Berühmtheit erlangte. Diese Ritzung wurde im hintersten Teil der Höhle auf einer Ausbeulung des Deckenbereichs angebracht. Wie bei anderen Abbildungen des Jungpaläolithikums ist auch hier das Gesicht nur karikaturhaft gezeichnet worden, womöglich hat dies religiöse Hintergründe analog zum Bilderverbot. Der etwas dickbauchige Zauberer wird von einem Steinbock, einem Wisent, einem Wildpferd, einem dreiecksförmigen Zeichen und zwei weiteren menschlichen Profilen umgeben. Im vorderen Teil der Höhle finden sich dann weitere Wildpferde und ein Wisent ohne Kopf.
Absolute Alterdatierungen für die Höhle Roc de Saint-Cirq sind nicht vorhanden. Stilistische Zuordnungen deuten auf Altes bis Mittleres Magdalénien, d.h. die Kunstwerke wurden wahrscheinlich im Zeitraum zwischen 17.000 und 15.000 Jahren BP angefertigt.
Der seit langer Zeit relativ leichte Zugang zur Höhle hat den Kunstwerken geschadet. Neben einem gelblichen Kalzitüberzug werden sie aufgrund von Feuchtigkeit von Algen, Moosen und Flechten bedroht. Die Gravuren wurden daraufhin gereinigt und gebürstet, was jedoch zu teilweisem Abplatzen der Oberfläche führte. Zur Regulierung und Stabilisierung des Höhlenklimas wurde der Eingang zugemauert und mit einer Metalltür versehen. Eine weitere Maßnahme zum Schutz der Höhle war die Beschränkung des täglichen Besucherstroms. Die Lage hat sich seitdem stabilisiert.
Zusammen mit anderen Höhlen und Abris des Vézère-Tals ist die Höhle von Roc Saint-Cirq Weltkulturerbe der UNESCO.
In der Nähe der Höhle befindet sich ein kleines Museum, in dem Funde aus Saint-Cirq ausgestellt sind.
Sehenswert ist ferner die Höhlenfestung Pech Saint-Sourd mit mehreren unterirdischen Räumen und sogenannten cluzeaux (in den Fels gearbeitete, mit einer Öffnung versehene Kammern).

Polemic

Polemic ist eine slowakische Ska-Band aus Bratislava und gehört neben Elán, Tublatanka und Horkýže Slíže zu den bekanntesten Bands der Slowakei.

1989 wurde die Band in Bratislava gegründet, worauf erste Konzerte in der slowakischen Hauptstadt und Umgebung folgten. 1993 wurde das erste Demoalbum Vrana in Eigenregie produziert und die Band gab erstmals Konzerte im Ausland. 1997 im August produzierte Polemic das zweite Album mit dem Titel Do Ska (Deutsch: Ins Ska, zudem ein Wortspiel: doska auf slowakisch heißt Brett, in manchem Kontext zugleich Tafel oder Schallplatte), was im darauffolgenden November veröffentlicht wurde. Aufgrund des großen Anklangs diese Albums und den Verkaufszahlen folgte 1998 die Nominierung für slowakischen ZAI-Preis in der Kategorie „Entdeckung des Jahres“.
1999 war ein sehr wichtiges Jahr in der Bandgeschichte. Ihr Album Ya Man! wurde veröffentlicht und es folgten Auslandsauftritte in ganz Europa. Neben den vielen Konzerten und Live-Auftritten auf Festivals spielte die Band unter anderem auch ein Konzert auf dem Dach des Slowakischen Rundfunks in Bratislava.
2002 folgte ein Plattenvertrag bei BMG-Ariola, unter dem das vierte Album Gangster-Ska und das fünfte Album Nelám si s tým hlavu! veröffentlicht wurden. 2005 wechselte Polemic dann zu Sony Music Entertainment und ist bis heute dort unter Vertrag.

Detlef Schwefel

Detlef Schwefel (* 21. Juni 1942 in Berlin) ist ein deutscher Sozialwissenschaftler mit den Schwerpunkten Gesundheitssystemforschung und Entwicklungssoziologie.

Detlef Schwefel studierte 1963–1968 Soziologie und Psychologie an der Freien Universität Berlin. Er promovierte 1973 über Sozialplanung in Entwicklungsländern an der Universität Bremen. Nach seiner Habilitation 1979 wurde er 1986 außerplanmäßiger Professor für Soziologie an der FU Berlin.
Detlef Schwefel begann seine wissenschaftliche Tätigkeit mit sozialwissenschaftlichen Studien in Ecuador und Chile. Danach war er seit 1970 wissenschaftlich und beratend tätig im Deutschen Institut für Entwicklungspolitik (Berlin). Dort entwickelte er Methoden zur Ermittlung der sozialen Auswirkungen von Projekten, Investitionen und Technologien und zur Analyse des Gesundheitssektors in Entwicklungsländern. Seine Habilitationsschrift resümierte seine Forschungsergebnisse und verknüpfte das Thema Grundbedürfnisse und Entwicklungspolitik mit der sozialwissenschaftlichen Gesundheitsforschung in Deutschland und Europa.
Diesem Thema widmete er sich von 1976 bis 1989 beim Zentralinstitut für die kassenärztliche Versorgung (Köln) und im Institut für Medizinische Informatik und Systemforschung der GSF (Gesellschaft für Strahlenforschung, späteres GSF-Forschungszentrum für Umwelt und Gesundheit, heute Helmholtz Zentrum München). Dort gründete und leitete er für die Weltgesundheitsorganisation (WHO) das erste europäische WHO-Kollaborationszentrum für Gesundheitsplanung und Gesundheitsökonomie. Auf der Grundlage seiner Forschungen über Gesundheitssysteme, Gesundheitsberichte und über den Zusammenhang zwischen Wirtschaft und Gesundheit beriet er auch den Europarat über Arbeitslosigkeit und Gesundheit und die Europäische Gemeinschaft über Gesundheitssystemforschung und leitete für sie international vergleichende Studien, z.B. über ökonomische Aspekte von HIV/AIDS.
Danach widmete er sich dem praktischen Gesundheitssystemmanagement und der wissenschaftlichen Politikberatung in Asien und Lateinamerika, vor allem auf den Philippinen und in Guatemala. Seit 2003 engagiert er sich auch in arabischen Ländern, speziell in Syrien und Jemen. Sein spezielles Interesse gilt nunmehr der Finanzierung der Gesundheit und der sozialen Sicherung sowie dem Verhältnis von Gesundheit, Globalisierung und Gerechtigkeit.
Detlef Schwefel lehrte an der Freien Universität Berlin, University of the Philippines in Manila, Boston University und Centre for Strategic Health Studies in Damaskus. Er wurde zu wissenschaftlichen Vorträgen über seine Fachgebiete in mehr als 30 Länder der Welt eingeladen. Über 18 Jahre seines Lebens lebte, forschte und beriet er in bisher 36 Entwicklungsländern.

Colm O’Gorman

Colm O’Gorman (* 1966 im County Wexford) ist ein irischer Politiker.

O’Gorman wurde 1966 im County Wexford geboren, wo er seine Kindheit verbrachte. Sein Vater war der Landwirt Seán O’Gorman. Er zog mit seiner Familie vom Lande in die Stadt Wexford. O’Gormans Vater war Mitglied der irischen Partei Fianna Fáil und trat bei den Wahlen 1969 und 1973 an.
Als Jugendlicher wurde O’Gorman im Alter zwischen 15 und 18 Jahren von dem römisch-katholischen Geistlichen Seán Fortune sexuell missbraucht. Die Missbrauchsfälle lagen zwischen den Jahren 1981 bis 1983. Nach seiner Schulzeit begann er sich politisch zu betätigen. Er wurde Mitglied in der Partei Progressive Democrats und engagierte sich in der Organisation Amnesty International in Irland, in deren Vorstand er später als Direktor aufstieg.
Ende der 1990er begann O’Gorman, seinen sexuellen Missbrauch durch einen Geistlichen der römisch-katholischen Kirche bekannt zu machen und erstattete bei der irischen Polizei eine Strafanzeige gegen den Geistlichen Seán Fortune. Im Laufe der folgenden Jahre wurden weitere Missbrauchsfälle des Geistlichen bekannt.
1998 verklagte O’Gorman den Bischof des Bistums Ferns sowie den apostolischen Nuntius in Dublin. O’Gorman gründete 1999 in London die Organisation One in Four, die sich um Opfer von Missbrauchsfällen kümmert. 2002 wurde eine irische Schwesterorganisation in Dublin gegründet.
2003 gewann O’Gorman gegen das Bistum vor Gericht und erhielt eine Wiedergutmachungssumme von 300.000 Euro zugesprochen. Seinen Gerichtsprozess dokumentierte O’Gorman für den Fernsehsender BBC mit dem Film Suing the Pope. 2005 sorgte er als Politiker für die Aufarbeitung von sexuellen Missbrauchsfällen durch die irische Regierung mit dem sogenannten Ferns Report. Im Jahre 2006 drehte O’Gorman für die BBC die Dokumentationsserie Sex Crimes and the Vatican.
O’Gorman gab im April 2006 bekannt, im County Wexford bei den Wahlen 2007 anzutreten. Am 3. Mai 2007 wurde er nach dem Tod der Senatorin Kate Walsh in den irischen Senat berufen. Bei den Wahlen 2007 unterlag er als Kandidat der Progressive Democrats und wurde auch nicht in den neuen Senat berufen.
2002 zog O’Gorman nach Gorey im County Wexford. Später zog er nach Ballymoney, ein kleines Dorf im nördlichen County Wexford, wo er mit seinem Lebensgefährten Paul Fyffe lebt. Gemeinschaftlich erziehen sie zwei Kinder, für die sie das Sorgerecht (legal guardianship) haben.