Fasching während des Nationalsozialismus

Karneval und Fasching wurden mit Beginn der Zeit des Nationalsozialismus zunehmend, ab 1939 praktisch vollständig von den Nationalsozialisten vereinnahmt und für propagandistische Zwecke eingesetzt. Veranstalter und Teilnehmer mussten sich an die politischen Verhältnisse anpassen, zum Beispiel war eine Gestaltung von Umzugswagen, die eine kritische Haltung dem Regime gegenüber vermittelten, kaum möglich.

Im Karneval des „Altreiches“ (Deutschland ohne Österreich) gestalteten bekannte Persönlichkeiten, wie Karl Valentin, den Fasching- bzw. Karnevalsumzug für die Nationalsozialisten. Anfangs misstrauten die Nationalsozialisten dem karnevalistischen Treiben. Sie befürchteten, dass der Karneval zu Opposition, Widerspruch, Insubordination, Aufständen und Verschwörungen führe. Außerdem hatten sie davor Angst, lächerlich gemacht zu werden.
Gleichzeitig versuchten die Nationalsozialisten erfolgreich, vor allem über ihre Organisation „Kraft durch Freude“ (KdF), den rheinischen Karneval für ihre Propaganda-Zwecke zu vereinnahmen. Bereits am 1. März 1933 konnte der Westdeutsche Beobachter über den Kölner Rosenmontagszug freudig berichten: „Der Zug hatte nichts Improvisiertes, Volksfremdes, wie das in den Nachkriegsjahren unter den mannigfachen Einflüssen liberalistisch-marxistischer Strömungen der Fall gewesen war. Kein überladener Schmuck, kein verlogener Prunk, sondern urwüchsiger Humor, volkstümlich in der Darstellung, passte er sich ganz natürlich in den Rahmen des Volksfestes ein“ Der Rheinländer Joseph Goebbels zum Beispiel ließ sich nicht ungern beim Fasching in München fotografieren. Der Nürnberger Rosenmontagszug 1938 stellte einen am Galgen baumelnden Juden dar. Der Karneval wurde gleichzeitig aus Tourismus-Gründen beworben um ausländische Gäste zu ködern und dies durchaus erfolgreich. Der KdF bot Zugtickets für die Anreise und selbst Eintrittskarten für Sitzungen vergünstigt an.
Kritisches und NS-Kult sollten mit dem Karneval nicht in Verbindung gebracht werden; Hitlerjugend und BDM beispielsweise durften an den meisten Orten nicht in Uniform an den Festzügen teilnehmen. Es wurde von NS-Seite zudem ein „deutscher Karneval“ mit „volkstümlichem Brauchtum“ gefordert, noch vorhandene christliche Bezüge sollten ganz verschwinden.
Es gab einige wenige Karnevalisten, die dem Nationalsozialismus nicht in die Hände spielen wollten. Die bekanntesten waren Hans Jonen und Karl Küpper. Bei Sitzungen erwarteten die Nazis den Hitlergruß; dies nutzte Karl Küpper für eine oft zitierte Nummer auf der Karnevalsbühne: Er betrat die Bühne, hob den rechten Arm und sagte zur Überraschung des Publikums: „Su huh litt bei uns dr Dreck em Keller!“ – „So hoch liegt bei uns der Dreck im Keller!“. Für diese Nummer wurde er zu lebenslangem Redeverbot verurteilt. In der Kölner Narrenrevolte im Jahre 1935 widersetzte sich der organisierte Kölner Karneval der Gleichschaltung der Karnevalsfeierlichkeiten. Die Nationalsozialisten kamen der Forderung der Narren, dass die Belange des Karnevals von den Karnevalsgesellschaften getragen werden sollen, nach, vermutlich weil die Nazis keinen größeren Aufstand auslösen wollten und weil sich die Narren bisher auf, für die Nazis leicht zu erfüllende Forderungen beschränkten. Das Gros des rheinischen Karnevals ließ sich jedoch gleichschalten. Die meisten Karnevalisten zeigten keinerlei Initiative gegen den Nationalsozialismus. Antisemitische Mottowägen beim Rosenmontagszug oder auch Lieder wie „Die Jüdde wandern uss“ von Jean Müller (Ein Kölner Musiker) wurden im Karneval normal. 1936 wurden die bis dahin männlichen Funkenmariechen durch Frauen ersetzt, weil das angeblich dem deutschen Mannestum widersprach und der Homosexualität und dem Transvestitentum Vorschub leiste. Im Jahr 1938 und 1939 wurde die Jungfrau im Kölner Karneval ebenfalls von einer Frau verkörpert.
Zur Situation in Mainz siehe Mainzer Fastnacht#Fastnacht im Nationalsozialismus und Seppel Glückert.
Faschingsumzüge in Wien konnten zwar in ein paar Randbezirken auf eine gewisse Tradition zurückblicken, wurden aber 1939, nach dem Anschluss Österreichs, als Aufnahme Österreichs in die nationalsozialistische Volksgemeinschaft inszeniert. Die nationalsozialistische Gemeinschaft Kraft durch Freude (KdF) veranstaltete im Februar in sämtlichen Wiener Kreisen Faschingsumzüge und Faschingsveranstaltungen, um den Wienern und Wienerinnen wieder ein „befreites Lachen“ zu bescheren. Bei diesen Veranstaltungen wurde gegen Juden gehetzt und Politiker aus dem Ständestaat verhöhnt. Dazu zählten der christlichsoziale Politiker Otto Ender und der Landeshauptmann Josef Reither.
Beim großen Künstler-Faschingsumzug am 19. Februar 1939 wollte man an die Umzugstradition von Hans Makart anknüpfen und beauftragte Wiener Künstler mit der Gestaltung des Faschingsumzuges. Neben Ermahnungen, nicht zu „meckern und zu raunzen“ und das neue Regime nicht zu kritisieren, gab es disziplinierende Verweise auf die neue Verkehrsordnung, an die man sich zu halten habe. Zudem wurden weitere ständestaatliche Politiker wie Engelbert Dollfuß und Wilhelm Miklas verunglimpft.
Einmalig im damaligen Wiener Karneval war die Darstellung des Gauleiters Josef Bürckel als „Maria Theresiendenkmal in neuer Form“. Nur in Wien wurde ein hochrangiger nationalsozialistischer Politiker im Fasching auf diese Art und Weise verhöhnt. Nicht Ansätze zum Widerstand, sondern parteiinterne Querelen dürften für diese Form Anlass gewesen sein. Ob es sich dabei nun um eine „Denkmalverschiebung“ handelte, wie beim Faschingsumzug des Alt-Wiener Bundes 1938 und die österreichischen Nationalsozialisten den Gauleiter gerne „verschieben“, also abschieben wollten oder ob man auf seine erhabenen Machtansprüche anspielen wollte, ist aus der heutigen Sicht nicht nachvollziehbar.
Die verantwortlichen Organisatoren von 1939 waren mehrfach miteinander vernetzt. Zum einen gab es eine Gruppe von „Faschingserfahrenen“, wie Oswald Roux, Johann Geyling und Franz Wilfert, die in verschiedenen Veranstaltungen immer wieder zusammenarbeiteten. Geyling hatte mit Wilfert die künstlerische Leitung für das Deutsche Sängerbundfest 1928 übernommen. 1939 hatten Geyling, Wilfert und Roux die künstlerische Leitung des Umzuges 1939 inne. Roux beantragte bereits 1938 die NSDAP-Mitgliedschaft, wurde aber erst 1940 aufgenommen. Wilfert wurde 1938 in die NSDAP aufgenommen. Von Geyling fehlen die zur Beweisführung notwendigen Gauakten.
Oswald Roux gestaltete 1939 zumeist als Einzelgänger neben den „harmlosen“ „Wiener Bildern“, die hochpolitische Gruppe „Leuchten des Systems“, in der mit Kurt Schuschnigg, Miklas, Dollfuß und Josef Reither abgerechnet wurde. Bereits 1938 konzipierte er eine Gschnasrevue in der Wiener Secession mit dem Titel „Entartete Kunst“. Roux war Mitglied des Hagenbundes, der Secession und des Künstlerhauses. Er war auch nach 1945 etablierter Staatskünstler, wurde mit dem Ehrenpreis der Stadt Wien und dem österreichischen Staatspreis ausgezeichnet. Wilfert war im Vorstand des Männergesangvereines, NSDAP-Mitglied und hatte bereits 1928 beim deutschnational geprägten Sängerbundfest in leitender Position mitgewirkt. Vizebürgermeister Blaschke war sein Gewährsmann für die Aufnahme in die NSDAP. Hermann Neubacher, Obmann des österreichisch-deutschen Volksbundes, trat bei seiner Ansprache beim Sängerbundfest 1928 vehement für das Selbstbestimmungsrecht Österreichs ein.
Am 13. März 1938 wurde Hermann Neubacher vom neuen, nationalsozialistischen Bundeskanzler Seyß-Inquart zum Bürgermeister und SS-Sturmbannführer, Hanns Blaschke zum Vizebürgermeister von Wien bestellt. Franz Frank gestaltete gemeinsam mit Wilfert den Umzugswagen der Siemenschöre beim Deutschen Sängerbundfest 1928 in Wien. Sepp Nordegg, der 1938/39 bei Emil Pirchan studierte, Mitglied der SA und SS war, wurde mit dem Umzug 1939 betraut, ebenso wie die Abteilung „Szenische Kunst“, die Popp und Pirchan leiteten. Der Studentenführer Exner und Schnall kannten einander von der Studentenvertretung. Weiters beteiligten sich einige Bildhauer aus der Bildhauerklasse Josef Müllners. Müllner „supplierte“ 1938–1940 die Meisterklasse Bechtold. Dieser war als „entarteter Künstler“ entlassen worden. Müllner entwarf nicht nur das Lueger-Denkmal, er war auch Schöpfer der Hitler-Büste für die Aula der Akademie der bildenden Künste in Wien. Zu seinen am Umzug 1939 beteiligten Studierenden zählten Kubiena, Eichberger, Hafenrichter, Franz Barwig der Jüngere, Crepatz, Rusch und Willersdorfer.
Requeni, Nordegg und Weber arbeiteten mit Otto Cermak in einer Arbeitsgemeinschaft und beteiligten sich 1939 am Reichsberufwettkampf zu dem NS-Propagandathema: Autozug Grenzlandbühne. Ebenso gab es Kontakte über die Secession (unter anderem Popp, Roux), das Künstlerhaus (unter anderem Geyling, Roux) und das Burgtheater (unter anderem Volters). Der Burgtheaterschauspieler Eduard Volters war Lehrbeauftragter für angewandte Regie an der Akademie der bildenden Künste von 1943 bis 1945 und wirkte schon vor dem Anschluss bei zahlreichen Secessionsrevuen mit Oswald Roux mit.
Kaiserin Maria Theresia wurde von den unterschiedlichsten politischen Gruppierungen in der ersten Republik, im Austrofaschismus und im Nationalsozialismus als weibliches Pendant zu Nietzsches „Übermenschen“ dargestellt. Mit ihrer Aufgabe, die österreichischen Territorien zusammenzuhalten und ihre Mutterschaft von sechzehn Kindern erfüllte sie sozusagen perfekt männliche wie weibliche Eigenschaften. Ihre weiblichen Fähigkeiten wurden im Nationalsozialismus hervorgehoben und ihre männlichen im Hintergrund als notwendig und essentiell geduldet. Maria Theresia wurde als politisches Symbol, als Stammmutter, Idol der Österreicher und Österreicherinnen verwendet, die sich mütterlich um ihre Kinder und ihr Volk sorgte, Kriege führte, und die es ebenso verstand auf Faschingsbällen zu tanzen und sich zu amüsieren.
Gauleiter Bürckel wurde als Maria Theresia dargestellt, in dem er in seiner Person mit einem weiblich konnotierten Denkmal ausgetauscht wurde und auf diesem, wenn auch etwas dekadent, so doch gestisch und mimisch und kleidungsmäßig männlich dargestellt wurde. Hingegen wäre im Karneval eine Vertauschung der Geschlechter auch in ihrer Kleidung ein durchaus gängiger Passus gewesen. Hätte man dies allerdings 1939 auf diese Weise umgesetzt, hätten die Betrachter des Umzuges darunter auch eine Anspielung auf eine homophile Tendenz des Gauleiters verstehen können und das wäre trotz spitzer Anspielungen auch für österreichische Nationalsozialisten eine zu große Gefahr gewesen. Der Typus der Sitzfigur geht in der Denkmalgeschichte außerdem auf antike Philosophenbildnisse zurück, also könnte es als eher außergewöhnlich betrachtet werden, dass man eine große Kaiserin in dieser Pose darstellte.
Der Name des Denkmals und somit auch der Kaiserin Maria Theresia wurde für den Faschingsumzug 1939 beibehalten und war daher auch von Bedeutung. Hingegen waren die Gestalter und Gestalterinnen des Künstler-Faschingszuges 1939 diejenigen, die im Faschismus ihrem individuellen Profit nachjagten und zum Teil eines Volkskörpers im Wiener Volksfasching wurden, der seine Lust aus dem Hass auf sämtliche „Minderheiten“ bezog – die es zu demütigen und zu vernichten galt: die Juden und ständestaatliche Politiker. Diese Idee, dass der Fasching die Zeit der Travestien, nach dem Faschismus die Zeit der Aufhebung jener Travestien sei, wurde in Wahrheit von den Siegern erzwungen. Das Beispiel Faschingsumzug 1939 zeigt manche entlarvende Geschichte von flinkem Kleidungswechsel.
Die meisten der Hauptverantwortlichen waren NSDAP-Mitglieder und auch nach 1945 etablierte Staatskünstler. Oswald Roux, der bereits 1938, vor dem „ Anschluss“, in der Sezession eine Gschnasrevue mit dem Thema „Entartete Kunst“ inszenierte, NSDAP Mitglied war, rechnete im Umzug mit den ständestaatlichen Politikern ab und zeichnete sich mit Wilfert und Geyling als verantwortliche Umzugsgestalter aus: Roux erhielt den Ehrenpreis der Stadt Wien und den österreichischen Staatspreis. Emil Pirchan, der mit Alexander Popp die Klasse für „szenische Kunst und Festgestaltung“ an der Akademie der bildenden Künste leitete, saß sogar 1945 in der Entnazifizierungskommission, obwohl er, wenn auch nicht als Parteimitglied, so doch mit den Nationalsozialisten kollaborierte.
Die Narren und die Nazis von Sebastian Kuhn und Frank Gutermuth, TV Schoenfilm D 2008

Polikarpow I-180

Die Polikarpow I-180 (russisch Поликарпов И-180) war ein einmotoriges Jagdflugzeug des sowjetischen Konstrukteurs Nikolai Polikarpow.
Sie entstand unter Verwendung von Baugruppen der erfolgreichen Polikarpow I-16 sowie des Versuchsjagdflugzeuges Polikarpow I-17. Erstmals kam bei einem sowjetischen Flugzeug ein verstellbarer Dreiblatt-Propeller zur Anwendung. Als Antrieb diente ein M-88-Sternmotor.
Der Erstflug der I-180-1 fand am 15. Dezember 1938 statt und endete mit einer Katastrophe. Der Motor setzte beim Landeanflug aus und das Flugzeug stürzte ab; der bekannte Pilot Waleri Pawlowitsch Tschkalow kam dabei ums Leben. Die zweite Maschine I-180-2 erhielt einen M-87B-Triebwerk sowie eine um 105 cm vergrößerte Spannweite. Als dieses Flugzeug bei der Erprobung ebenfalls abstürzte, war Josef Stalin kurz davor, das Programm einstellen zu lassen und Polikarpow fiel in Ungnade. Trotzdem flog noch ein dritter Prototyp mit einer geschlossenen Kabine und es wurde eine kleine Vorserie von zehn I-180S gebaut. Als das endgültige Aus für die I-180 beschlossen wurde, wandte sich Polikarpow deren Nachfolger I-185 zu.

Zivile Baureihen:  PM-1 | Po-2
Militärische Baureihen:  BDP-2 | I-1 | I-3 | I-5 | I-15 | I-16 | I-17 | I-153 | I-180 | I-185 | NB | Po-2 | R-1 | R-5 | TB-2 | TIS | WIT

J/ψ-Meson

J/ψ
Das J/ψ ist ein Meson, ein subatomares Teilchen. Seine Entdeckung im Jahr 1974 war von großer Bedeutung, weil damit die Existenz eines vierten Quarks, des Charm-Quarks nachgewiesen war.

Das J/ψ ist ein gebundener Zustand aus einem Charm-Quark und einem Anti-Charm-Quark , d. h. es ist ein Charmonium. Alle seine Flavour-Quantenzahlen sind daher null. Das J/ψ ist das langlebigste und zuerst entdeckte Charmonium. Es hat eine Masse von 3097 MeV/c2 und eine Zerfallsbreite von 92,9 keV/c2, was einer Lebensdauer von 10−20 s entspricht. Seine Quantenzahlen sind .
Das J/ψ zerfällt zu 87,7 % über die starke oder die elektromagnetische Wechselwirkung in Hadronen. Der gesamte elektromagnetische Anteil von 25,4 % verteilt sich auf 13,5 % hadronische Endzustände und jeweils 6 % leptonische Endzustände mit 2 Myonen bzw. 2 Elektronen.
Für ein derart schweres Meson ist es sehr ungewöhnlich, dass die Zerfallsbreite so gering ist und dass der elektromagnetische Zerfall mit dem starken konkurrieren kann. Dies liegt daran, dass der übliche Weg des Zerfalls schwerer Mesonen durch Anlagerung eines leichten Quark-Antiquark-Paares aus energetischen Gründen nicht möglich ist und dass die Annihilation von c und c über die starke Wechselwirkung aus Gründen der Paritätserhaltung mindestens drei Gluonen erfordert und daher nach der OZI-Regel unterdrückt ist.
Das J/ψ wurde 1974 fast gleichzeitig von zwei Gruppen entdeckt, die es J bzw. ψ nannten – daher rührt der eigentümliche Doppelname. Die eine Gruppe unter Burton Richter entdeckte es am Stanford Linear Accelerator Center, die andere Gruppe unter Samuel Chao Chung Ting am Brookhaven National Laboratory. Richter und Ting stellten ihre Ergebnisse gemeinsam in einer Pressekonferenz am 11. November 1974 der Öffentlichkeit vor. Die beiden Wissenschaftler wurden für die Entdeckung dieses Teilchens 1976 mit dem Nobelpreis für Physik ausgezeichnet.
Die Entdeckung des J/ψ war eine Sensation, weil seine Breite (Energieunschärfe) nur knapp ein 1000stel der anderer Mesonen in diesem Energiebereich beträgt und seine Lebensdauer (nach der Energie-Zeit-Unschärferelation) also gut 1000-mal so lang ist.
Zu diesem Zeitpunkt kannte das Quarkmodell nur drei Quarks (u, d, s); die einzig plausible Erklärung für ein so langlebiges Meson war ein neues, viertes Quark. Dieses „Charm“-Quark war bereits theoretisch vorhergesagt worden, und mit dem J/ψ konnte seine Existenz als gesichert gelten.
Am Cornell-Elektron-Positron-Speicher-Ring (CESR) der Cornell University gibt es einen speziell auf die Massenproduktion von Charmonium abgestimmten Teilchenbeschleuniger, im derzeit laufenden Experiment CLEO-c werden die Eigenschaften dieser Teilchen (und ihrer Zerfallsprodukte) studiert.
Ein Ziel der Charmonium-Forschung liegt in der Erforschung des immer noch nicht genau bekannten Potentialverlaufs der starken Wechselwirkung. Vom Standpunkt der Coulomb-Kraft her ähnelt das Charmonium bis auf abweichende Ladungen und Massen dem theoretisch sehr gut verstandenen Positronium. Das Potential der Wechselwirkung wird aus Emissions- und Absorptionsspektren der Übergänge zwischen angeregten Zuständen des Charmoniums berechnet. Nach Abzug des Coulomb-Potentials bleibt so das Potential der Starken Wechselwirkung übrig und kann parametrisiert werden. Im einfachsten Fall erhält man so für das Quark-Antiquark-Potential ein coulombartiges Potential für kleine Reichweiten und ein lineares Potential für größere Entfernungen.
Samuel Ting, der für das Teilchen den Namen „J“ propagierte, ist chinesischer Abstammung. Sein Familienname („Dīng“ in Pinyin-Umschrift) wird mit dem Schriftzeichen 丁 geschrieben, das einem „J“ sehr ähnlich sieht. Ting hat also seine Entdeckung möglicherweise nach sich selbst benannt.

Red Army – Legenden auf dem Eis

Red Army – Legenden auf dem Eis (Originaltitel: Red Army) ist ein Dokumentarfilm von Gabe Polsky aus dem Jahr 2014. Als Executive Producers waren u. a. Jerry Weintraub und Werner Herzog tätig. Der Film hatte seine Premiere bei den Internationalen Filmfestspielen von Cannes 2014 und wurde von Sony Pictures Classics in einer begrenzten Anzahl von Kinos am 23. Januar 2015 veröffentlicht. Der Kinostart in Deutschland war am 29. Januar 2015.

Der Film zeigt, wie die Eishockeyspieler der Sowjetunion während des Kalten Krieges von den 1950er Jahren bis zur Auflösung 1990 gedrillt wurden und den Eishockey-Sport dominierten, obwohl in der US-amerikanischen NHL schon damals mehr Geld floss. Das sowjetische Nationalteam bestand zu dieser Zeit fast ausschließlich aus jungen, linientreuen Spielern des ZSKA, dem Verein der Roten Armee (engl. Red Army).
Das strenge Training hatte zum Ziel, den Sozialismus in Form eines funktionierendes Sport-Kollektivs zu präsentieren. Anders als etwa das US-amerikanische Star-System setzten sie auf die Mannschaft als solche, ohne besonderen Fokus auf die einzelnen Spieler. Die Propaganda funktionierte jedoch nur, wenn die westlichen Konkurrenten besiegt werden konnten.
Zudem mussten talentierte Spieler davon abgehalten werden, zum Klassenfeind zu wechseln, was die sowjetischen Machthaber zu verhindern wussten. Die Geschichte wird aus der Sicht des Moskauer Kapitäns Slawa Fetissow erzählt, der vom Nationalhelden zum politischen Feind avancierte. Dabei wird auch der rabiate Trainer der Mannschaft porträtiert, Wiktor Tichonow, für den keiner der Spieler ein gutes Wort übrig hat.
Red Army hatte seine Premiere beim Toronto International Film Festival 2014 und wurde von Sony Pictures Classics in die US-amerikanischen Kinos gebracht. Zudem wurde der Film bei den Internationalen Filmfestspielen in Cannes gezeigt.
In Telluride war Red Army 2014 der einzige Dokumentarfilm im offiziellen Wettbewerb, ebenso in Toronto, New York und beim AFI Film Festival. Beim Moscow International Film Festival wurde der Film als Eröffnungsfilm ausgewählt.
Red Army ist einer am besten bewerteten Filme 2014 mit einer Bewertung von 97 % bei Rotten Tomatoes, basierend auf 91 Kritiken. Im Kritikerkonsens heißt es: „Red Army ist ein packendes Dokumentar-Drama für Eishockey-Fans und Neulinge gleichermaßen.“ Bei Metacriticterhält der Film eine Bewertung von 82/100 bei insgesamt 32 Kritiken.
A. O. Scott von The New York Times nannte den Film eine „ergreifende, verrückte Geschichte—ein russischer Roman mit Tolstoischer Tiefe und Gogl-esker Absurdität“. Das Time Magazine schrieb „dieser verspielte, melancholische Film präsentiert eine menschliche Geschichte, die Jahrzehnte, Grenzen und Ideologien überwindet“. Scott Feinberg vom The Hollywood Reporter meinte, der Film sei „einer der besten Dokumentarfilme“, die er je gesehen hätte.
Der Filmdienst urteilt, der Film ist ein „meisterlicher Versuch, anhand der Biografien einzelner sowjetischer Eishockey-Spieler die Geschichte der UdSSR zwischen 1979 und 2002 zu rekonstruieren“. Dabei werden „um ein langes Interview mit dem Verteidiger Slava Fetissow […] vorzüglich ausgewählte Archivmaterialien“ gruppiert, die „von der Politisierung des Sports dies- und jenseits des Eisernen Vorhangs erzählen“. Der Film sei „eine ebenso aufschlussreiche wie unterhaltsame Sportdokumentation, die mit bizarren Details und Anekdoten auch den grimmigen Ernst des Kalten Kriegs nachzeichnet“.
Red Army gewann jeweils den Publikumspreis bei den 2014er Filmfestivals des AFI, in Chicago und Middleburg.

Bollwerk (Bern)

Das Bollwerk ist eine in der Stadt Bern (Schweiz) gelegene Strasse.
Das Bollwerk befindet sich in der unmittelbaren Nähe des Bahnhofs. Die Strasse mündet im Nordwesten in die Neubrückstrasse und die Schützenmattstrasse, im Norden in die Lorrainebrücke, im Nordosten in die Hodlerstrasse und in die Speichergasse, im Osten in die Aarbergergasse und in die Neuengasse und im Süden auf den Bubenbergplatz und den Bahnhofplatz.
Mit dem Bau der Grossen Schanze in der ersten Hälfte des Dreissigjährigen Krieges entstand über der äusseren Mauer, des Stadtgrabens vor der 4. Stadtbefestigung eine Strasse, die vom heutigen Burgerspital bis zum Aarbergertor reichte. Zu Beginn des 19. Jahrhunderts hiess sie Kleine Zeughaus- oder Bollwerkstrass. Oft fasste man sie aber mit der heutigen Genfergasse zusammen und nannte das Ganze Bollwerk.
Nach der Schleifung der vierten Stadtbefestigung in den 1830er Jahren hiess die an der Spitalgasse beginnende Strasse Äusseres Bollwerk. Von 1835 bis 1840 entstanden die Häuser an ihrer Ostseite von 1856 bis 1861 jene an ihrer Westseite. 1895 wurde zwischen Neuen- und Aarbergergasse das Trottoir asphaltiert. 1903 erhielt das Innere Bollwerk seinen bis heute gebräuchlichen Namen Genfergasse. Der Name des Äusseren Bollwerks wurde in der Folge auf die Bezeichnung Bollwerk abgekürzt.
Zu den früheren Gebäuden am Bollwerk gehörte das Schallenhaus, das erste Gefängnis der Schweiz.
46.9505555555567.4406111111111Koordinaten: 46° 57′ 2″ N, 7° 26′ 26,2″ O; CH1903: 600151 / 199941

Duttendorf

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Duttendorf ist eine Ortschaft in der österreichischen Gemeinde Hochburg-Ach, die 742 Einwohner hat (Stand 2001).
Der Ortsnamen dürfte vom Personennamen „Tuoto“ abgeleitet sein. Um 1313 „Dotendorf“,1508 „Tuetendorf“, 1514 „Tutendorf“. Im Jahr 1941 erwarb die Gemeinde Hochburg-Ach das Athalergut in Duttendorf. Nach dem Zweiten Weltkrieg stellte die Gemeinde auf dem Areal des Gutes zirka 200.000 m² günstige Baugründe zur Verfügung. Viele Flüchtlinge aus Jugoslawien, Donauschwaben aber auch Gemeindebürger nützten dieses günstige Angebot und konnten sich ein Eigenheim schaffen. Das Baugeschehen konzentrierte sich ab 1950 in der „Athalerasiedlung“. Eine Zersiedelung des ländlichen Raumes wurde dadurch weitgehend verhindert.
Die Arbeitsmöglichkeit im benachbarten Burghausen (Wacker Chemie, OMV, …) hat auch Siedler aus der Umgebung angezogen. Es entstand ein Gemeindezentrum mit mehr als 200 Wohnungen. Im Siedlungsgebiet befindet sich das Gemeindeamt, die Polizei, das Postamt, 2 Ärzte, die Hauptschule, der Kindergarten, ein Bankinstitut, ein katholisches Pfarrheim, die evangelische Gnadenkapelle, sowie Geschäfte für die Nahversorgung und das Naturfreundehaus. In den Gebäuden des Gutes und auf den anschließenden Grundflächen wurde der Gemeindebauhof und das Altstoffzentrum untergebracht. Für die sportliche Tätigkeit wurde ein Fußballplatz, ein Faustballplatz sowie ein Sportlerheim errichtet. Im Jahr 2007 wird das Gebäude für betreubares Wohnen mit 15 Wohneinheiten fertiggestellt.

Hermann Bonnus

Hermann Bonnus (eigentlich: Hermann von Bunne(n), nach dem Ort Bunnen bei Löningen als Bonnus latinisiert, woher die Familie seines Vaters stammte, * 1504 in Quakenbrück; † 12. Februar 1548 in Lübeck) war ein deutscher Reformator und erster Superintendent von Lübeck.

Hermann Bonnus studierte ab 1523 in Wittenberg, anschließend in Greifswald. 1528 wurde er Erzieher des siebenjährigen dänischen Prinzen Johann in Kopenhagen und Gottorf und verfasste in dieser Zeit eine lateinisch-niederdeutsche Grammatik. Sodann wurde Lehrer an der Stadtschule in Treptow an der Rega, wo er Johannes Bugenhagen kennenlernte.
Nach Einführung der Reformation in der Hansestadt Lübeck 1531 wurde er durch Vermittlung Bugenhagens zum ersten Rektor der in den Räumen des Franziskanerklosters St. Katharinen neu gegründeten Lateinschule, des Katharineums, bestellt. Kurz darauf übertrug ihm der Rat der Stadt das neue Amt des „Superattendenten“ (Superintendenten) der Stadt Lübeck. In den Jahren 1532/33 war er an der Lübecker Übersetzung von Luthers Bibel ins Niederdeutsche, der Lübecker Bibel (1533/34) beteiligt.
In den politischen Wirren der kommenden Jahre bis 1535 vertrat Bonnus gegenüber dem Rat und dem Bürgermeister Jürgen Wullenwever einen kritischen Standpunkt und stellte das Wächteramt der Kirche, vertreten durch das Geistliche Ministerium, gegenüber den Politikern heraus. Bonnus förderte die Zusammenarbeit der Geistlichen Ministerien von Lübeck, Hamburg und Lüneburg im sogenannten Ministerium Tripolitanum und beschleunigte dadurch die Herausbildung eines lutherisch-konfessionellen Kirchenwesens in den norddeutschen Städten.
Im Jahre 1543 schuf Bonnus auf Bitten des Rates der Stadt Osnabrück und mit Einverständnis des Bischofs Franz von Waldeck eine reformatorische Kirchenordnung für die Stadt und das Hochstift Osnabrück mit Einschluss der Ämter Cloppenburg und Vechta. Deren Bevölkerung war so von 1543 bis 1613 in der 70-jährigen Phase der katholischerseits so genannten „Verblendung“ evangelisch, ab 1613 wieder katholisch. Die „Kerckenordnung vor de landkercken des stiftes Osenbrugge“ lehnte sich an die Stadtkirchenordnung an, war aber kein Auszug davon und trug den Titel: „Ordinatio magistri Hermanni Bonni… Exercitium quotidianum in sacris scripturis et psalmis cantandis pro ecclesiis collegiatis‘ ubi praedicatur evangelium, als dar is Quakenbrugge und anders mer. Anno 1543.“ Dort wurden auch der Gottesdienst und die Feiertage geregelt, von denen 13 Aposteltage blieben. Mariä Himmelfahrt entfiel als nicht schriftgemäß.
Hermann Bonnus war ein Praktiker, der vielfältige Werke schuf: einen Katechismus, eine Bearbeitung des Rostocker Gesangbuchs, die ab 1545 als Gesangbuch der Lübecker Kirche verwendet wurde, die „Farrago“, eine Anthologie von Lebensbildern der Apostel, Heiligen und Märtyrer, ein lateinisches Lehrbuch, eine Chronik und exegetische Vorlesungen. Sein Choral „Och wy armen sünder“ ist bis heute durch das Evangelische Gesangbuch verbreitet.
Als er 1548 starb, hinterließ er seine schwangere Frau Katharina und die sechs Kinder unter der Obhut des Bürgermeisters Anton von Stiten. Sein Sohn Arnold wurde 1594 Lübecker Bürgermeister.
An Hermann Bonnus erinnert in Lübeck ein schlichtes hölzernes Epitaph. Bis 1790 hing das Epitaph an der südöstlichen Wand der Marientidenkapelle über seiner Grabstätte in der Marienkirche. Ende des 19. Jahrhunderts war in der Bürgermeisterkapelle noch die 1,26 m hohe und 2,64 m breite einfache schwarze Gedenktafel vorhanden, auf der ein oben in der Mitte aufgelegter Leistenrahmen von 40 cm Höhe und 50 cm Breite ein im Auftrage des Rates gemaltes und heute Hans Kemmer zugeschriebenes Porträt des Verstorbenen auf dem Totenbett umschloß. Eine wohl gleichzeitige, 38 cm hohe und 55 cm breite Replik des verlorenen Originals befand sich zu diesem Zeitpunkt in der Lübecker Stadtbibliothek. Unter dem inneren Rahmen steht das Todesdatum, während links und rechts je fünf die Verdienste des Verstorbenen rühmende Distichen aufgemalt sind. Um 1917 wurde das Bild aus der Stadtbibliothek in den Rahmen eingefügt. Das Epitaph überstand (in der Bürgermeisterkapelle?) den Brand der Kirche beim Luftangriff auf Lübeck 1942 und kam nach 1945 in das Magazin des St.-Annen-Museums.
Bonnus vermachte seiner Geburtsstadt Quakenbrück seine Bibel mit handschriftlichen Eintragungen, die in der Stadt aufbewahrt wird.
2004 gedachte die Stadt Lübeck mit einer Ausstellung und Veranstaltungsreihe seines 500. Geburtstages.
2007 feierte die evangelisch-lutherische Kirchengemeinde in Bersenbrück (Landkreis Osnabrück) den 100. Geburtstag ihrer Bonnus-Kirche, die ihren Namen von Hermann Bonnus hat.

Marko Zdralek

Marko Zdralek (* 8. Dezember 1973 in Bad Griesbach im Rottal) ist ein deutscher Komponist und Musikwissenschaftler.

Nach dem Abitur am St.-Gotthard-Gymnasium in Niederalteich (Absolvia 1993) absolvierte er ein Studium für Musik für das Lehramt an Gymnasien an der Staatlichen Hochschule für Musik in München, das er im Jahre 2001 mit dem ersten Staatsexamen abschloss. Zudem studierte er an der Ludwig-Maximilians-Universität München die Fächer Musikwissenschaft, Philosophie und Germanistik. Ab 1998 erweiterte er sein Studium um das Fach „Komposition“ an der Staatlichen Hochschule für Musik Würzburg in der Kompositionsklasse von Heinz Winbeck.
Zdralek unterrichtete Musiktheorie, Analyse und Musikgeschichte an den Musikhochschulen Würzburg, Nürnberg und der Musikschule Regensburg. Derzeit lehrt er an der Akademie für Tonkunst Darmstadt und hat seit 2010 eine Professur an der Hochschule für evangelische Kirchenmusik Bayreuth inne.
Als Komponist beschäftigt er sich mit neuen Formen des Musiktheaters (z. B. Musik-Tanztheater „Sansara“ (2002), „monumentum aquae“ (2006)). Daneben spielt bei Zdralek die Idee des Werkzyklus eine wichtige Rolle (z. B. das fünfteilige Projekt „Terra deserta“).
Für sein künstlerisches Schaffen erhielt Zdralek im Jahre 2006 den Bayerischen Staatspreis zur Förderung junger Künstler, wobei der Laudator folgendes hervorhob: „Nie würde sich Zdralek vordergründig irgendwelchen effektvollen Modetrends anschließen. Vielmehr versucht er stets, den Dingen auf den Grund zu gehen. Seine von faustischem Forscherdrang geprägte Herangehensweise schlägt sich in allen Kompositionen nieder.“

Sebastian Rudy

Sebastian Rudy (2010)
2 Stand: 13. Juni 2015
Sebastian Rudy (* 28. Februar 1990 in Villingen-Schwenningen) ist ein deutscher Fußballspieler, der beim Bundesligisten TSG 1899 Hoffenheim unter Vertrag steht und auch für die deutsche Nationalmannschaft aktiv ist. Seine Hauptposition ist im zentralen Mittelfeld, doch wird er zuweilen auch im rechten Mittelfeld oder als rechter Verteidiger eingesetzt.

Sebastian Rudy begann seine Karriere beim FC Dietingen und spielte danach für den SV Zimmern, bevor er 2003 in die Nachwuchsabteilung des VfB Stuttgart wechselte. Bereits zum Ende des Jahres 2007 absolvierte er seine ersten Spiele für die zweite Mannschaft des VfB in der Regionalliga Süd. 2008 wurde Rudy die Fritz-Walter-Medaille in Silber in der Altersklasse U-18 verliehen. Am 30. Juli 2008 unterzeichnete er einen bis Juni 2012 datierten Lizenzspielervertrag beim VfB Stuttgart. Von der Saison 2008/09 an gehörte er dem Kader der ersten Mannschaft des VfB an, spielte aber meist in der zweiten Mannschaft.
Sein Profidebüt gab Rudy am 2. August 2008 (2. Spieltag) bei der 1:3-Niederlage im Auswärtsspiel gegen den 1. FC Union Berlin in der neugeschaffenen 3. Liga. Nur acht Tage später absolvierte er im Erstrundenspiel des DFB-Pokals beim 5:0-Erfolg beim FC Hansa Lüneburg sein erstes Pflichtspiel für die erste Mannschaft des VfB Stuttgart, mit der er am 13. September 2008 (4. Spieltag) beim torlosen Remis im Carl-Benz-Stadion gegen die TSG 1899 Hoffenheim dann auch sein Bundesligadebüt gab.
Nach 15 Bundesligaeinsätzen in zwei Jahren für die Schwaben wechselte Rudy am 23. August 2010 zur TSG 1899 Hoffenheim und lief am 28. August, als er beim 1:0-Auswärtssieg gegen den FC St. Pauli in der 89. Minute für Peniel Mlapa eingewechselt wurde, erstmals für seinen neuen Verein auf. Am 5. Februar 2011 erzielte Sebastian Rudy seinen ersten Treffer in der Bundesliga.
Sebastian Rudy spielte für mehrere deutsche Junioren-Nationalmannschaften. Er belegte 2007 mit Deutschland bei der U-17-Weltmeisterschaft den dritten Platz. Danach spielte er für die U-18- und die U-19-Nationalmannschaft. Am 4. September 2009 debütierte Rudy für die U-21-Nationalmannschaft, die im EM-Qualifikation-Spiel gegen die Auswahl San Marinos mit 5:0 gewann.
Weil sich nach Bastian Schweinsteiger und Christian Träsch auch noch Sami Khedira und Simon Rolfes verletzten, wurde Sebastian Rudy am 5. Juni 2011 von Bundestrainer Joachim Löw für das EM-Qualifikationsspiel der A-Nationalmannschaft gegen Aserbaidschan am 7. Juni 2011 nachnominiert, kam aber nicht zum Einsatz.
Am 8. Mai 2014 wurde Sebastian Rudy für das Freundschaftsspiel gegen Polen erneut in den Kader der A-Nationalmannschaft Deutschlands berufen. In diesem Spiel debütierte er am 13. Mai 2014 für die deutsche A-Nationalmannschaft. Am 2. September berief ihn Löw wegen personeller Sorgen im defensiven Mittelfeld nachträglich in den Kader für das Freundschaftsspiel gegen Argentinien und für das EM-Qualifikationsspiel gegen Schottland, in dem er von Beginn an spielend sein Pflichtspieldebüt gab.
Rudy hat vier Geschwister. Sein um ein Jahr älterer Bruder Florian ist ebenfalls Profifußballer und derzeit vereinslos. Seit Mai 2014 ist Sebastian Rudy mit seiner langjährigen Freundin Elena verheiratet.
Nadiem Amiri | Oliver Baumann | Ermin Bičakčić | Russell Canouse | Tarik Elyounoussi | Benedikt Gimber | Jens Grahl | Jiloan Hamad | Kai Herdling | Joelinton | Pavel Kadeřábek | Jin-Su Kim | Andrej Kramarić | Kevin Kurányi | Philipp Ochs | Eugen Polanski | Sebastian Rudy | Fabian Schär | Jonathan Schmid | Pirmin Schwegler (C) | Alexander Stolz | Tobias Strobl | Niklas Süle | Jeremy Toljan | Mark Uth | Eduardo Vargas | Kevin Volland | Steven Zuber
Trainer: Julian Nagelsmann

Sakdina

Sakdina (Sakdi Na; Thai: ศักดินา, wörtl.: Macht über Land) ist ein in Ziffern ausgedrücktes Maß für gesellschaftlichen Rang , welches in Siam (dem heutigen Thailand) die Einstufung innerhalb der sozialen Hierarchie für alle Untertanen festlegte, ausgedrückt durch eine Maßeinheit, die Rai lautete, wobei 1 Rai einer Fläche von 1.600 m² entspricht.
Es hat sich wahrscheinlich aus dem Brauch entwickelt, dass Könige verdienten Untertanen Land einer gewissen Größe bewilligten. Später vergaben die Könige wohl mehrere Dörfer einschließlich Land und Einwohnern an ihre leitenden Berater. Die so verschenkten Kleinbauern hatten die Pflicht, ihren Oberherrn Frondienste zu leisten. Die Praxis, Land an unterschiedliche Kategorien von Untertanen zu verteilen, schrieb König Borommatrailokanat 1454 in seinem „Gesetz der zivilen, militärischen und Provinzhierarchien“ als das Sakdina-System fest. Gegen Ende der Ayutthaya-Periode war es voll ausgereift, so dass ein jeder Siamese, sei er nun ein Sklave, ein Militärbefehlshaber oder der Vizekönig, seine Position auf der Sakdina-Skala kannte. Zu jener Zeit war wohl die Verbindung einer Position zu einer bestimmten Größe Land verloren, dennoch wurden die Sakdina-Einheiten noch immer in Rai angegeben.
Sakdina bedeutet in übertragener Bedeutung auch „Macht über Arbeitskräfte“, die zur Bebauung dieses Landes notwendig waren. So wurde das gesellschaftliche Ansehen und die soziale Position innerhalb der Hierarchie entscheidend von der Anzahl der erwachsenen, arbeitsfähigen Personen bestimmt, die zur Gefolgschaft gehörten.
Ebenfalls aus der Anfangszeit dieses Systems stammt die einzige Ausnahme dieses Systems: der König selbst. Denn theoretisch verfügte der König über das gesamte Reich, so dass die Ziffer des an den König zuzuweisenden Landes unermesslich groß wäre.
Die Person mit dem höchsten Sakdina war der Uparat („Vizekönig“), nach dem König der zweitmächtigste Mann im Land. Ihm wurden 100.000 Rai Sakdina zugebilligt. Ein Prinz vom Rang eines Chao-Fa bekam 15.000 bis 50.000 Rai. Nachkommen des Königs sowie ihre Mütter hatten 6.000 bis 7.000 Rai. Beamten wurde je nach Rang von 400 bis hinauf zu 10.000 Rai zugewiesen. Nicht-adelige Bürger erhielten weniger als 400 aber mehr als 25 Rai, Sklaven hatten immerhin noch 5 Rai. Frauen, die die gleiche Arbeit oder Funktion ausübten wie Männer, hatten auch die gleiche Anzahl Rai.
Wurde eine Person innerhalb der Hierarchie befördert oder wurde ihm ein königlicher (Adels-) Titel verliehen, so wurde sein Sakdina-Anteil ebenfalls entsprechend erhöht. Beging eine Person ein Verbrechen, so wurde eine Strafe verhängt, die proportional zu seinem Sakdina-Status stand. Beispielsweise wurde ein Ehebrecher mit einem Sakdina von 10.000 Rai mit einer Summe von 2.000 Baht in Silber bestraft, bei einem Sakdina von 5.000 Rai betrug die Strafe 1.200 Baht, ein Sklave mit 5 Rai Sakdina musste 160 Baht bezahlen.
Erst König Chulalongkorn (Rama V.) schaffte am Anfang des 20. Jahrhunderts durch seine Reformen das Sakdina-System ab.
Der radikale Intellektuelle Chit Phumisak behauptete in seinem Werk Chomna khong Sakdina thai nai patchuban („Das Antlitz des thailändischen Feudalismus heute“) 1957, dass der Feudalismus des Sakdina-Systems noch lange nach seiner offiziellen Abschaffung, selbst nach dem Ende der absoluten Monarchie 1932 weiterbestünde.